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"Rettet die Schwebebahn!" e.V.

Krautsberg 5

42275 Wuppertal

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Betrifft: Beschluß über Abriß und Neubau der Wuppertaler Schwebebahn am 26.5.97

PRESSEERKLÄRUNG

Absurder Stadtratsbeschluß:

Denkmalschutz

und

Weg damit!

Als einzigartigen kommunalpolitischen Skandal bezeichnet der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!", Burkhard Stieglitz, den Beschluß des Stadtrates das Wahrzeichen der Stadt unter Denkmalschutz zu stellen und zugleich für den vollständigen Abriß grünes Licht zu erteilen. Am 3.Februar dieses Jahres hat der Stadtrat den Beschluß gefaßt, die Schwebebahn so zu behandeln, als stünde sie formal unter Denkmalschutz. Nur ist sie unter Schutz gestellt und soll einem völligen Neubau weichen.

Wir haben dem Rat der Stadt in mehreren ausführlichen Schreiben mit Sachargumenten nachgewiesen, daß Abriß und Neubau der Bahn nicht nur verkehrspolitisch überflüssig und eine einzigartige Steuerverschwendung ist, sondern auch das Gerüst praktisch unbegrenzt halten kann, wenn es einem modernen Korrosionsschutz unterworfen wird. Diese Methode wurde bereits beim Schiffshebewerk Henrichenburg erfolgreich angewandt und erlaubt dauerhaften Schutz auch an bisher schwer zugänglichen Stellen des Gerüstes.

Mit ca. 200 DM pro Quadratmeter Anstrichfläche würde eine Totalsanierung der Gesamtanlage Schwebebahn ca. 80 Millionen Mark kosten.

Wenn die Stadtwerke behaupten, es gebe ein Gutachten über den Gesamtzustand des heutigen Gerüstes - warum machen Sie es nicht öffentlich zugänglich?

Wir beschuldigen die Stadtwerke das Schwebebahngerüst im Abschnitt zwischen Robert Daum-Platz und Döppersberg (Träger 212 bis 248) in den vergangen zwanzig Jahren nicht sachgerecht gegen Korrosion geschützt zu haben. Seit Februar hat unsere Bürgerinitiative auf die Aussage des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Stadtwerke AG Harald Graf aus dem Jahre 1976 hingewiesen:

"Unter der Leitung von Professor Dr. Ing. Reinitzhuber, Dortmund, wurden Last-Dehnungs-Messungen in zahlreichen statischen und dynamischen Lastfällen am Gerüst durchgeführt. Auch diese neuesten Untersuchungen , die absolut positiv verliefen, geben uns die Überzeugung, daß das Schwebebahngerüst ohne weiteres weitere 75 Jahre halten kann, unter der Voraussetzung natürlich, daß es laufend einwandfrei konserviert, d.h. regelmäßig gestrichen wird."

Jeder Bürger der Stadt kann sich am Teilstücks zwischen Döppersberg und Robert-Daum-Platz kundig machen, daß hier nicht "laufend einwandfrei konserviert , d.h. regelmäßig gestrichen worden ist." Aber selbst hier sind die Stahlschäden so gering, daß Sie nach Aussagen von Stahlkonstrukteuren die Statik des Gerüstes nicht so beeinträchtigt, daß sich daraus Gefahren ergeben könnten. Selbst dieses Teilstück, kann nach einem gründlichen neuen Korrosionsschutz auch in der nächsten Generation standhaft bleiben.

Wir weisen die Presse auf ein Buch der Wuppertaler Stadtwerke hin, in dem noch 1991 von einem neuen Korrosionsschutz für die Bahn die Rede war. Hier kann man auch nachlesen, daß nach Anschaffung der neuen Fahrzeuggeneration in den 70er Jahren, das Schwebebahngerüst für 39 Millionen Mark statisch verstärkt wurde durch Einbau neuer Brückenlager.

24 Millionen Fahrgäste hat die Schwebebahn nicht nur im Jahre 1996 sondern auch schon 1942 und 1948 transportiert und das mit Fahrzeugen, die nur 130 Fahrgäste transportierten. Heute können 205 Personen in einem Wagen fahren. Nach den Bestimmungen des Denkmalschutzes darf die Bahn nicht für einen Kapazitätsausbau abgerissen werden, weil dafür keine zwingenden Gründe vorgebracht werden können. Die zur Schwebebahn parallel verlaufende Straßenbahn mußte 1997 beseitigt werden, weil es sonst drei parallele Strecken zwischen Vohwinkel und Oberbarmen gegeben hätte. Wer ist dafür verantwortlich, daß die Schwebebahn plötzlich für eine verdoppelte Kapazität ausgebaut werden darf und damit der S-Bahn-Strecke wieder die Fahrgäste entziehen soll?

Wir fordern statt des Kapazitätsausbaus für eine neue Schwebebahn die Verdichtung der Taktfrequenz für die S-Bahn-Strecke.

Im Jahre 2000 soll die Verbindung zwischen Essen und Elberfeld hergestellt werden. Diese Bahn sollte nach unseren Vorstellungen bis Oberbarmen durchfahren. Die viermal in der Stunde fahrende Bahn würde die S-Bahn-Strecke insgesamt attraktiver machen und die Schwebebahn entlasten.

Wir bezweifeln, ob jemals in einer Stadt mit sinkenden Einwohnerzahlen eine Steigerung der jährlichen Fahrgastzahlen der Schwebebahn auf 30 Millionen im Jahre 2000 eintreten wird.

Seit die Bahn unter Denkmalschutz steht, darf es keinen Abriß mehr aus Gründen einer ohnehin fadenscheinigen Fahrgastzahlprognose geben. Daß dieses Gerüst in den vergangenen 96 Jahren in der Lage war schwankende Fahrgastzahlen mit Spitzen über 24 Millionen im Jahr zu bewältigen hat die Geschichte der Bahn zur genüge bewiesen.

Die Stadtwerke haben mit ihrem Buch "Die Wuppertaler Schwebebahn Geschichte - Technik.- Kultur" selbst unter Beweis gestellt, daß sie die Bahn noch 1991 als zukunftsträchtiges und weiter modernisierbares Verkehrsmittel angesehen haben.

Wir weisen mit Empörung die irreführende Parole von einer "Museumsbahn" für unser Original-Schwebebahn zurück. Das Original ist in der Vergangenheit immer wieder modernisiert worden. Dies ist auch heute möglich..

Auch auf das alte Gerüst kann man die neuen Schienen auf eine Hartkunststoffdämmplatte bauen. Die alte Bahn kann genauso geräuscharm werden wie man es von der neuen ankündigt. Schon jetzt haben alle Bahnhöfen Video-Überwachung und sind so sicher wie die Straßen von Monaco. Wir fordern dementsprechend 40 Fernsehmonitore im Bahnhof Döppersberg zur flächendeckenden Beobachtung. Auch wir fordern hellere Bahnhöfe. Dann müssen auf der gesamten Strecke die Plakatwände vor den Scheiben beseitigt werden. Modernisierung ist mit dem Alten Gerüst und den alten Bahnhöfen ohne weiteres zu vereinbaren.

Bis heute haben die Stadtwerke vor der sachkundigen Öffentlichkeit nicht schlüssig nachgewiesen, warum das Gerüst und damit die gesamte Bahn abgerissen werden muß. Trotz aller Bemühungen ist es uns bis heute nicht gelungen ein Gutachten zum gegenwärtigen Zustand des Gerüstes zu erhalten.

Wir bezweifeln mittlerweile, ob es überhaupt ein wissenschaftliches Gutachten gibt. Das Gutachten der Firma Thyssen-Engeneering, das uns in seiner Kurzfassung vorliegt stammt von einem Mitanbieter für das neue Schwebebahngerüst und kann daher nicht als neutral eingestuft werden.

Wann legen die Stadtwerke endlich ihre wissenschaftlichen Gutachten für eine neutrale Überprüfung auf den Tisch?

Sollte tatsächlich der Abriß unseres geliebten Wahrzeichens beginnen nur, weil man die Landesmittel von 450 Millionen DM verbauen will, so wird die Stadt nicht mehr dieselbe sein. Sie würde ihre Identität verlieren und sich international der Lächerlichkeit preisgeben. Schon der heutige Beschluß:

"Denkmalschutz - und weg damit!"

zeigt, wie lieblos und bar jeder Sachkunde der Stadtrat seine Entscheidung gefällt hat.

Da es der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" bis heute nicht gelungen ist, Einsicht in angeblich vorhandene Gutachten zum Zustand des Gerüstes zu erlangen, haben wir den Petitionsausschuß des Landtages gebeten, uns die Gutachten über den Zustand des angeblich völlig maroden Gerüstes zuzuschicken. Bis heute bleiben die Stadtwerke deshalb den Nachweis schuldig, ob die Tragkonstruktion der Schwebebahn tatsächlich völlig abgerissen und neu gebaut werden muß. Denn nur mit dem Gerüst fallen die Bahnhöfe und damit wäre die historische Schwebebahn restlos vernichtet.

Nachbau (Rekonstruktion) des Gerüstes und der Bahnhöfe die in originaler Substanz von 1900 noch vorhanden sind lehnen wir ab.

Wir kündigen an:

Sollte man tatsächlich mit dem sinnlosen und barbarischen Abriß des zentralen Bauwerks unserer Heimat beginnen, werden wir die Wuppertaler Öffentlichkeit mit der Offenlegung der bis heute unterschlagenen Fakten über dieses sinnlose Zerstörungswerk aufrütteln und werden wir alles uns rechtlich mögliche tun, um die nationale und internationale Unterstützung gegen diesen Akt der Barbarei zu mobilisieren.

 

Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V.

gez. Burkhard Stieglitz