logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 12.10.1998

An den
Wuppertaler Bürgermeister
Dr. Rolf Köster
c/o Rechtsanwaltssozietät
Frowein und Partner
Hofaue 95
42103 Wuppertal


Sehr geehrter Herr Dr. Köster!

Wir hatten ein kurzes Gespräch am WZ-Stand. Ich nehme an, die Gruppe vom Bergischen Geschichtsverein hat auch Ihnen die Resolution der Hauptversammlung übergeben können.

Zunächst meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum Bürgermeister. In Wuppertal blickt man natürlich gespannt auf die neue Fraktion der FDP, denn in der Vergangenheit waren wir Bürger stets mit dem Schlimmsten konfrontiert, was den Rat und die Arbeit der Parteien betraf. Hinsichtlich des Projektes der Schwebebahn gab es nur hartnäckiges Schweigen und die totale Verweigerung. Einige Anschreiben an den Rat lege ich Ihnen bei. Nichts wurde beantwortet, nichts nachgefragt bei den WSW. Die Stadtwerke haben sich mittlerweile zu einem nicht mehr kontrollierbaren Koloss in unserer Stadt entwickelt, über den die großen Projekte - Abriß der Original-Schwebebahn, Wuppersammler und Döppersberg - abgewickelt werden, der sich aber jeder parlamentarischen Kontrolle entzieht.

Bitte erheben Sie einmal in aller Öffentlichkeit die Offenlegung der Gutachten, wonach das Gerüst der Schwebebahn marode sein soll, oder einer Taktverdichtung auf 2 Minuten nicht gewachsen sein soll. Nach unserer Kenntnis ist der Neubau vollkommen sinnlos, ein Betrug an der Stadt und dem Steuerzahler.

Am 12. Januar 2000 findet vor dem OLG Düsseldorf um 9.00 Uhr Saal A 321 der Prozeß Stadtwerke ./. Bürgerinitiative statt (mündliche Verhandlung) . Die Stadtwerke wollen den Vorwurf des Subventionsbetruges untersagen lassen. Unsere Bürgerinitiative will künftig die neue Schwebebahn nicht nur Betrugsbahn, sondern auch Korruptionsbahn nennen dürfen.

Ich muß Ihnen nicht erläutern, was in diesem Prozess für die Stadt und das Ansehen des Rates auf dem Spiel steht. Sollte bis zu diesem Termin der Rat wie bisher in Agonie verharren und andererseits unserer Bürgerinitiative anhand der offen zu legenden Gutachten der Nachweis der Sinnlosigkeit des Neubaus gelingen, dann steht das Projekt "Schwebebahn-Abriß-Neubau unter Umständen still. Dann wird auch der neue Rat sich dem Vorwurf aussetzen, nicht kompetent gehandelt zu haben. Auch die neuen Ratsfraktionen und Stadtverordneten werden über den Vorgang informiert werden. Wir wollen nicht hoffen, daß auch diese neuen Stadtverordneten sich dem Abriß eines einzigartigen Weltkulturerbes gegenüber so gleichgültig verhalten wie der frühere Rat.

Wir sind als Bürgerinitiative übrigens darauf eingestellt, notfalls das Bundesverfassungsgericht einzuschalten, falls hier eine korrupte Stadt auf jede Kontrolle der Stadtwerke und dieses Großprojektes verzichten sollte. Es kann nicht angehen, daß der größte Teil der Steuern in dieser Stadt über eine privatrechtliche AG ausgegeben werden, die sich offensichtlich nicht der Öffentlichkeit stellen will. Die Medien im Tal haben bis jetzt das Spiel gegen Wuppertal mitgespielt. Aber auch hier wird bei einem Prozess zu Gunsten unserer Bürgerinitiative mit einer überregionalen Reaktion zu rechnen sein. Die Schwebebahn hat überhaupt außerhalb Wuppertals mehr Aufmerksamkeit erregt als in dieser seltsamen Stadt, die ihr größtes Bauwerk demoliert - siehe Adler Brücke und folgende Schandtaten.

Das Schwebebahn-Projekt hätte längst eine sorgfältige Überprüfung und einen Untersuchungsausschuss verdient - der Unfall die steigenden Kosten, die fehlenden Gutachten, die korrupte Ausschreibung. Es ist schon merkwürdig, daß die Ratsmitglieder zwar nach Jekaterinenburg und Nicaragua fahren, aber offensichtlich nicht bereit sind sich einmal an Ort und Stelle der Werther Brücke von dem hervorragenden Zustand der Schwebebahn-Konstruktion zu vergewissern. Prof. Dr. Isecke von der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung in Berlin hat sich mehr Zeit für unser großes Bauwerk genommen als die armseligen Ratsmitglieder des verflossen Stadtrates. Als Prof. Isecke die Werther Brücke sah, meinte er nur ungläubig: "Und zum Abriß dieses Bauwerkes hat der Landeskonservator seine Zustimmung gegeben?" Die Standfestigkeit der Bahn schien ihm auch im Bereich Pestalozzi-Straße nicht in Frage gestellt. Es müsse allerdings im Einzelnen die Qualität des Stahls geprüft werden. Wir wissen heute, daß die Stadtwerke nur ein Gutachten über den Zustand der Werther Brücke besitzen, welches sie allerdings hartnäckig unter Verschluß halten. Warum wird es der Öffentlichkeit vorenthalten? Wir wissen warum...

Jetzt beginnt der Ernst der Arbeit. Jetzt muß man sich kundig machen und nicht nur so tun als sei man ein "Profi" wie unser Herr Oberbürgermeister, der nicht einmal die Verträge (AWG) prüft, die er unterzeichnet. Wir haben uns kundig gemacht und stellen Ihnen unsere Recherche zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen einen klaren Blick, eine feste Hand und die Fähigkeit für eine Wende in der Stadtpolitik.

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Burkhard Stieglitz

Anlagen: