logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 22.10.1998

 

 

An die Lokalredaktion der
Westdeutschen Zeitung in Wuppertal
Frau Ulla Dahmen
Otto-Hausmann-Ring 185
42115 Wuppertal

 

Einschreiben/Rückschein Kopie an die Düsseldorfer Redaktion

 

Sehr geehrte Frau Dahmen!

Entgegen der Berichterstattung der WZ blieben die Gutachten zum angeblich maroden Stahl und zum sicherheitsgefährdenden Gerüst der Schwebebahn bis heute unter Verschluß. Weder der Petitionsausschuß des Landtages von Nordrhein-Westfalen, noch der Bund der Steuerzahler und schon gar nicht unsere Wuppertaler Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e. V. konnten die Wuppertaler Stadtwerke bis heute bewegen, der Öffentlichkeit die Gründe für den Abriß und Neubau der Schwebebahn einmal rational nachvollziehbar darzulegen. Wir bleiben darauf angewiesen der Stadt zu "vertrauen", obwohl Kontrolle in dieser korrupten Stadt dringend angebracht wäre.

Was sich hier etabliert hat an krimineller Szene, geht über das Vorstellungsvermögen der meisten Bürger hinaus. Von "Politik" kann in dieser Stadt kaum mehr die Rede sein. Es ist auch nicht der geringste Ansatz zu erkennen, daß man den Sumpf trocken legen will. Stattdessen erhält diese Stadt als Stadtkämmerer einen Altphilologen, der zwar Platon in Altgriechisch aber keine Bilanzen lesen kann. Es ist nur zu durchsichtig was das bedeutet. Dazu wünscht dann der Oberbürgermeister noch "Gottes Segen!" Das mag erklären, wie es möglich war, daß diese "Stadtväter" und Beamten alle Heimtücke in Bewegung setzten, nur um an die Subventionsmillionen zu kommen, die sich auf dem ÖPNV-Konto der Stadt angesammelt hatten. Dafür ist man sogar bereit das Hauptbauwerk der Stadt zu eliminieren und dann nochmals zu bauen. Wäre es nicht bittere Realität, würde man das, was in dieser Stadt zur Zeit abläuft für eine Satire halten.

Wir appellieren nochmals an das Gewissen der Redaktion der Westdeutschen Zeitung, die mit dem Giradet-Verlag eine Monopolstellung innehat. Es ist unserer Bürgerinitiative erst im kommenden Jahr möglich mit großen Aktionen auf den einzigartigen Betrug im Zusammenhang mit dem Neubau der Schwebebahn hinzuweisen. Bitte schließen Sie sich, wenn schon nicht der Forderung unserer Bürgerinitiative, so zumindest der Forderung des Petitionsausschusses des Landtages an und des Bundes der Steuerzahler an, die Gutachten offenzulegen.

Dem Gerüst wurde, wie Ihnen bekannt sein dürfte, nicht nur in den 70er Jahren eine weitere Lebensdauer von 75 Jahren bescheinigt, es wurde auch von 1979-84 statisch verstärkt. Wenn die WSW dann bereits 1989 eine Machbarkeitsstudie und einen Kostenanschlag von Thyssen-Engineering einholten, so muß doch wohl öffentlich zu belegen sein, daß der Abriß verkehrspolitisch, wirtschaftlich und aus sicherheitstechnischen Überlegungen zu verantworten war und so der Denkmalschutz im höheren Interesse außer Kraft gesetzt werden mußte. Aber eine Verkehrszählung wurde nicht durchgeführt. Das Fahrgastaufkommen ist noch heute um 2 Millionen Fahrgäste pro Jahr geringer als in den frühen 50er Jahren. Die 500 Millionen DM Baukosten (einschließlich der neuen Fahrzeuggeneration, für die man das Gerüst und die Wagenhallen ja bauen will) sind nachweislich eine Irreführung, da schon in den 80er Jahren die Bahn auf Neuwerte für 1000 Millionen versichert wurde usw. usw.

Es ist eine große Schande, die dieser Stadt mit der sinnlosen Zerstörung ihres Wahrzeichens angetan wird. Immerhin haben Sie über unsere Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Landeskonservator berichtet - wenn auch im Briefmarkenformat. Ob dies der Bedeutung des Themas angemessen ist, wagen wir zu bezweifeln. Nunmehr gibt es die zweite Dienstaufsichtsbeschwerde, diesmal gegen den Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde, Dezernat 53 bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Der Vorwurf lautet: falsche Auskunft im Planfeststellungsverfahren bezüglich des Neubaus der Schwebebahn; durch die "strategische Lüge" eines Beamten wurde der Weg frei für den Abriß von Schwebebahn-Bahnhöfen, die noch in den 90er Jahren grundlegend renoviert wurden.

Wir hoffen noch immer auf eine der Bedeutung des Themas für unsere Stadt angemessene Berichterstattung über die Kritik am Projekt. Es bleibt hier der Vergleich zur Berichterstattung über eine Dienstaufsichtsbeschwerde privater Art, die erst vor wenigen Tagen im Sprockhöveler Lokalteil für eine Schlagzeile sorgte, obwohl diese Aufsichtsbeschwerde nur einen privaten Hintergrund hat.

Wir senden Ihnen beide Aufsichtsbeschwerden und zwei zusammenfassende Presseerklärungen - sowohl die gegen den Landeskonservator als auch die gegen den Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde - im vollen Wortlaut zu. Wir sind der festen Überzeugung, daß dieses Thema die Wuppertaler noch lange und in wachsendem Maße beschäftigen wird, denn der Schaden der dieser Stadt in den kommenden 5 Jahren angetan wird, ist irreversibel. Er zerstört die Geschichte der Stadt und verbaut den Weg in die Zukunft durch sinnlose Vergeudung von Investitionsmitteln, die in anderen Projekten dringend benötigt werden. Wenn künftige Generationen auf diese Zeit zurückschauen werden, wird man feststellen müssen, daß in den Jahren 1998 - 2004 das Wahrzeichen, die Finanzgrundlagen und das Ansehen der Stadt durch absurde Projekte zerrüttet wurden.

Dabei wird sich die Frage aufwerfen: Was berichteten damals die Medien, als sie von Bürgern auf die völlig sinnlose Zerstörung der Schwebebahn eindringlich und beharrlich hingewiesen wurden? "Alarm für die Schwebebahn" wurde jedenfalls bis heute nur von der WAZ nicht von der WZ geschlagen.

Mit freundlichem Gruß

 

Burkhard Stieglitz