logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 20.10.1998

An das Nachrichtenmagazin
MONITOR
Herrn Klaus Bednarz
Westdeutscher Rundfunk
50600 Köln

 

Sehr geehrter Herr Bednarz!

Heute kam die Meldung in der örtlichen Ausgabe der Westdeutschen Zeitung, daß man in Oberhausen sehr stolz darauf ist, als Portal des Rheinischen Insdustriemuseums eine Ankerstütze der Schwebebahn aufstellen zu können. In Wuppertal macht man von der Stadtspitze krampfhaft Stimmung, wie toll der Abriß und Neubau ist. "In Wuppertal schwebt man!" war das Motto des Stadtfestes im September. Die Bevölkerung wird über den Unsinn des Neubaus vollkommen im Dunkeln gehalten.

Interessant ist der Preis für das Zerlegen, den Transport, das Sandstrahlen, den Anstrich und den Aufbau der Stütze (ohne die Fundamente): Alles zusammen kostet für den 30 Tonnen Koloß nur ca. 70.000 DM. Hochgerechnet auf das 19.000 Tonnen schwere Gerüst der Schwebebahn hätte ein neuer Korrosionsschutz um die 45 Millionen DM gekostet. Wir werden versuchen von der ausführenden Firma einen Kostenanschlag für das Gesamtgerüst einzuholen, denn die Stadtwerke hatten behauptet, ein neuer Korrosionsschutz koste ca. 175 Millionen DM. Es wurde kürzlich sogar die Zahl von 240 Millionen verbreitet. Die 40 Millionen entsprechen auch in etwa den Kosten des neuen Korrosionsschutzes für den Eiffel-Turm.

Stattdessen stürzt sich die Stadt mit dem Abriß und Neubau in ein finanzielles Abenteuer, in der Hoffnung das Land NRW werde schon die Kosten tragen, wenn der Neubau statt wie vorgegeben 500 Millionen dann doch 1000 Millionen kosten wird. Die Stahlkocher bei Thyssen dürften sich freuen.

Das Ganze ist - unsere Bürgerinitiative bleibt trotz verlangter Unterlassungserklärung dabei - ein unverschämter Subventionsbetrug, dem ein 100 Jahre altes Meisterwerk der Ingenieurskunst und Verkehrstechnik zum Opfer fällt. Nur ein Stopp der Subventionsmittel, kann die Schwebebahn retten. Sie wird dann für kommende Generationen wie die Cablecar-Bahn für San Francisco eine Attraktion für Nordrhein-Westfalen und ein funktionsfähiges Verkehrsmittel bleiben.

Beiliegend noch eine Berichterstattung der taz vom 22.10.1998.

Mit freundlichem Gruß

 

Burkhard Stieglitz