logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 12.10.1998

n den Chefredakteur der
Westdeutschen Zeitung
Herrn Michael Hartmann
Giradet-Haus Königsallee 27
40002 Düsseldorf


 

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Sehr geehrter Herr Hartmann!

 

 

Am 3.6.1998 berichtete die WZ ihrer Wuppertaler Leserschaft, die Gutachten zum Schwebebahn-Gerüst seien offengelegt worden und daraus ergebe sich, wie es in der Schlagzeile hieß, der

"Stahl ist Belastungen nicht mehr gewachsen".

Ihrer Leserschaft wurde suggeriert, der Abriß sei notwendig und durch wissenschaftliche Gutachten belegt. Diese Berichterstattung entspricht nicht der Wahrheit. Als Mitglied des Bundes der Steuerzahler kenne ich unseren Antrag, der auf der Landesmitgliederversammlung des BdSt am 22. April 1998 in Bielefeld verabschiedet wurde. Darin wird die Offenlegung der Gutachten verlangt und zwar so, daß die Gutachten auch durch eine fachkundige Öffentlichkeit geprüft werden können.

Unsere Bürgerinitiative, die diese Forderung schon seit über 1 ½ Jahren erhebt, hat versichert, daß sie die Gutachten nach Erhalt der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin zur Begutachten übergeben wird, sobald ihr eine Kopie davon vorliegt. Eine derartige Offenlegung ist bis heute nicht erfolgt. Die Bürger dieser Stadt werden aber in der irrigen Meinung gehalten, daß der Nachweis für den notwendigen Abriß und Neubau der Schwebebahn erbracht worden sei. Das Gegenteil ist der Fall, wie Sie aus beiliegendem Brief des Landesvorsitzenden des Bundes der Steuerzahler, Herrn Lampen an die Stadtwerke entnehmen können. (Brief an Herrn Beyen vom 1.7.1998)


Da alle Pressmitteilungen und umfangreichen Informationen unserer Bürgerinitiative zum Schwebebahnskandal von der Lokalredaktion der WZ in Wuppertal bis heute unbeachtet geblieben sind, wenden wir uns nunmehr direkt und persönlich an Sie. Es dürfte Ihnen sicherlich klar sein, daß ein Auffliegen der Tatsache, daß es gar keine neueren wissenschaftlichen Untersuchungen am Gerüst durchgeführt worden sind, auch die Frage nach der Berichterstattung in Wuppertal aufwerfen wird. Unsere Bürgerinitiative hat jedenfalls die örtlichen Medien stets umfassend und sachlich informiert. Bis jetzt hieß es Sachen Schwebebahnkritik bei der Lokalredaktion stets "kein Anschluß unter dieser Nummer!"

Deshalb benachrichtigen wir Sie jetzt persönlich darüber, daß unsere Bürgerinitiative gegen den Landeskonservator Prof. Dr. Udo Mainzer und seinen für Wuppertal zuständigen Gebietsreferenten Dr. Thiel am 7. Oktober 1998 beim Vorsitzenden der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Rheinland, Dr. Wilhelm, Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben und die Entlassung der beiden "Denkmal-schützer" verlangt hat.

Da Ihre Zeitung am 6. 10. 1998 ausführlich über die Aufsichtsbeschwerde einer Sprockhövelerin in einer kleinen Privatangelegenheit berichtete, hegen wir die Hoffnung, daß in einem derart schwerwiegenden Fall wie dem sinnlosen Abriß der unter Denkmalschutz stehenden Schwebebahn auch einmal die Kritiker dieses Projektes zu Wort kommen.

Als Anlagen senden wir Ihnen nicht nur unsere Presseerklärung, sondern auch den vollständigen Text der Dienstaufsichtsbeschwerde, ein Bild vom historischen Bahnhof Adler-Brücke, ein Bild von seiner Zerstörung und ein Bild von der künftigen Architektur.

Als Vorsitzender der Bürgerinitiative und gebürtiger Wuppertaler werde ich das Zerstörungswerk weiterhin als das korrupteste Projekt der Stadtgeschichte bezeichnen, ein Projekt, das in die Wege geleitet wurde von einer Stadtspitze, die zur Zeit Mann für Mann ins Gefängnis wandert - ein Ende der Kolonne ist noch lange nicht abzusehen.

Damit nicht der falsche und von den Stadtwerken verbreitete Eindruck entsteht, unsere Bürgerinitiative sei eine Ein-Mann-Veranstaltung, die man auch künftig mißachten könne, lege ich Ihnen Fotos von einigen unserer öffentlichen Veranstaltungen bei - über die die WZ ebenfalls nicht berichtete. Wir werden im kommenden Jahr weiterhin unsere Mitbürger massiv über den korrupten Abriß unseres Wahrzeichens informieren. Seien Sie versichert, daß es uns Wuppertalern gelingen wird, die Lügen über unsere Schwebebahn mit eigener Kraft und mit Hilfe der überregionalen Medien zu entlarven. Unser 98jähriges Wahrzeichen wird noch über viele Jahre zerstört und langsam wird es auch dem Letzten klar werden, daß es hier nicht um eine "neues Kleid" für die Schwebebahn geht, sondern um ein Projekt, das die gesamte historische Bahn zerstört und darüberhinaus zum finanziellen Ruin der Stadtwerke führen wird, einem Projekt, das für alle Zeiten als das schändlichste in die Geschichte der Stadt eingehen wird.

Vielleicht kann man ja alle Menschen eine zeitlang an der Nase herumführen, aber "you can’t fool all the people all the time!" Das gilt für die Stadtwerke und ich hoffe nicht, daß man in Ihren Redaktionsstuben die Richtigkeit dieses Satzes in Frage stellt.

Mit freundlichem Gruß

Burkhard Stieglitz

Anlagen für die Düsseldorfer Zentralredaktion: