logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 07.10.1998

An den
Vorsitzenden der Landschaftsversammlung
Dr. Jürgen Wilhelm
Landschaftsverband Rheinland
Kennedy Ufer 2
50663 Köln

 

Betrifft: Aufsichtsbeschwerde gegen den Landeskonservator des Rheinlandes Prof. Dr. Udo Mainzer und den Gebietsreferenten Dr. Klaus Thiel wegen Mißachtung ihrer gesetzlichen Pflichten bezüglich des Denkmalschutzes bei der Wuppertaler Schwebebahn.

 

Sehr geehrter Herr Dr. Wilhelm!

Wir müssen Sie hiermit leider über den wohl größten Denkmalschutzskandal der Bundesrepublik Deutschland in Kenntnis setzen. Schuldhaft mitverantwortlich dafür sind der Landeskonservator des Rheinlandes Prof. Dr. Udo Mainzer und sein Mitarbeiter Dr. Klaus Thiel.

Im Jahre 1976 stellte der damalige Landeskonservator des Rheinlandes die gesamte Wuppertaler Schwebebahn unter Denkmalschutz. Die herausragende Bedeutung dieses Bauwerkes wurde in einem gesonderten Arbeitsheft des Landschaftsverbandes gewürdigt. Am 2. Juni 1997 wurde diese Entscheidung ausdrücklich vom Rat der Stadt Wuppertal durch einen einstimmigen Beschluß bestätigt und die Schwebebahn als Gesamtanlage in die städtische Liste der Baudenkmäler eingetragen.

Wenige Tage vor diesem Ratsbeschluß fand in Düsseldorf am 23.5.1997 eine Sitzung statt, auf der bereits im Vorfeld der erneuten Unterschutzstellung der Schwebebahn der Denkmalschutz restlos außer Kraft gesetzt wurde! Das Protokoll der Wuppertaler Stadtwerke AG (WSW) über diese Sitzung liegt uns vor. An diesem "Gespräch" nahmen teil:

"Vertreter der Ministerien für Stadtentwicklung, Kultur und Sport sowie Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr, der Bezirksregierung Düsseldorf, des Landschaftsverbandes Rheinland Köln, der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Wuppertal und der Wuppertaler Stadtwerke AG". (Anlage 1)

Bei dem "Gespräch" handelt es sich um eine rechtswidrige Absprache, mit der der Denkmalschutz, der vom Rat der Stadt erst noch beschlossen werden sollte, im Vorfeld ad absurdum geführt wurde. Im Protokoll heißt es unter Punkt 1:

"Die Denkmalpflege nimmt den vorgesehenen nahezu form- und systemidentischen Austausch des Gerüstes hin. Alle Planungen für das Traggerüst werden nicht mehr infrage gestellt."

Hinter diesen Worten steht in Wahrheit die "Hinnahme" des vollständigen Abrisses und Neubaus der 98jährigen Schwebebahn samt aller am Gerüst hängenden historischen Jugendstilbahnhöfe und den Wagenhallen. Da es sich bei dem künftigen Verkehrsmittel um einen Neubau handelt, hat der Landeskonservator ausdrücklich für die gesamte Bahn eine "zeitgenössische Architektur befürwortet. Historisierende Neubauten werden nicht befürwortet."

Während der Öffentlichkeit vorgetäuscht wurde, die Bahn werde ab dem 2. Juni 1997 unter Denkmalschutz gestellt, war durch eine konspirative Absprache unter den oben genannten Behörden von den Vertretern des Landschaftsverbandes Rheinland eine rechtswidrige Zustimmung zum Gesamtabriß erwirkt worden. Das Ganze ist schon ein ungewöhnlich betrügerisches Manöver mehrerer Behörden, die damit einen bevorstehenden demokratischen Ratsbeschluß von vornherein annullierten. Die Pflicht des Landeskonservators wäre es nach der Unterschutzstellung der Bahn gewesen zu prüfen, ob der Abriß des Gerüstes und damit aller Bahnhöfe aus sicherheitstechnischen, wirtschaftlichen oder verkehrspolitischen Gründen tatsächlich erforderlich ist. Die Genehmigung hätte nur aufgrund wissenschaftlicher Gutachten zur Standsicherheit der Bahn, zu Fragen der Restlebensdauer und aufgrund von Werkstoffprüfungen erfolgen dürfen. Diese Prüfungen sind nicht erfolgt!

Wir wiesen den Landeskonservator schon damals darauf hin, daß folgende Gutachten vorliegen, in denen der Gesamtzustand der Bahn beurteilt wird:

Der damalige Vorsitzende der Stadtwerke, Dipl. Ing. Harald Graf, faßte das Ergebnis dieser Gutachten zum 75jährigen Jubiläum der Bahn auf einer verkehrspolitischen Tagung in Wuppertal zusammen:

"Der weitaus überwiegende Teil des Schwebebahngerüstes besteht nach wie vor in der auf uns überkommenen ursprünglichen Form. Hier interessiert natürlich die Frage, welche Lebensdauer das Gerüst wohl noch haben könnte. Den Technikern ist die sogenannte Wöhlerkurve bekannt, wonach bei mehr als 2 Millionen sogenannten Lastwechseln die Ermüdung des Stahlmaterials ein Ende findet und die endgültige Dauerfestigkeit erreicht ist. Die Lastwechselzahl von 2 Millionen ist beim Schwebebahngerüst bei weitem überschritten und war auch schon vor den Bauarbeiten am Alten Markt längst überschritten. Im Jahre 1969 wurde die Gelegenheit wahrgenommen auf einem Prüfstand für statische Großversuche eine bei den eben genannten Bauarbeiten frei gewordene vollständige unzerlegte Brücke einem Belastungsprogramm zu unterziehen. Es zeigte sich, daß die zulässigen Spannungen nicht überschritten wurden. Die Untersuchung wurde fach-technisch geleitet und überprüft von dem inzwischen verstorbenen Professor Dr. Ing. Pelikan, Stuttgart, der im übrigen damals empfahl, beim etwaigen Einsatz neuer Fahrzeuge mit anderem dynamischen Fahrverhalten erneute Untersuchungen anzustellen.

Da in den Jahren 1972-1974, übrigens mit Investitionshilfe des Landes Nordrhein-Westfalen, der gesamte Wagenpark ausgewechselt wurde, wurden in Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde und mit Unterstützung des Landes 1975 unter der Leitung von Professor Dr. Ing. Reinitzhuber, Dortmund, Last-Dehnungs-Messungen in zahlreichen statischen und dynamischen Lastfällen am Gerüst durchgeführt. Auch diese neuesten Untersuchungen, die absolut positiv verliefen, geben uns die Überzeugung,

daß das Schwebebahngerüst ohne weiteres weitere 75 Jahre halten kann,

unter der Voraussetzung selbstverständlich, daß es laufend einwandfrei konserviert, d. h. vor allem regelmäßig gestrichen wird.«

Dieses positive Ergebnis veranlaßte den damaligen Landeskonservator des Rheinlandes, die Schwebebahn 1976 insgesamt als einzigartiges Bauwerk der Technikgeschichte unter Denkmalschutz zu stellen. Der behördliche Vorgang hierzu muß dem Landeskonservator vorliegen. Er hat sie ignoriert und der Zerstörung des einzigartigen vollkommen intakten Bauwerkes zugestimmt ! Ein beispielloser Vorgang in der Geschichte des deutschen Denkmalschutzes.

In den Jahren 1976 - 1992 wurden alle Schwebebahnbahnhöfe aufwendig renoviert. Sie erhielten einen neuen Korrosionsschutzanstrich, neue Dächer, eine stabilere Konstruktion durch Einbau stützender Träger. Ausgenommen davon blieb lediglich der Bahnhof "Pestalozzi-Straße", der 20 Jahre später als Musterbeispiel für den Abriß herhalten sollte. Das gesamte Gerüst erhielt in den Jahren 1979 bis 1984 neue Brückenlager. Der damalige Oberbürgermeister Gurland sprach nach Abschluß der Bauarbeiten sogar von einem neuen Gerüst! (Anlage 2)

Über diese Fakten war der Landeskonservator vor seiner rechtswidrigen Absprache vom 23. Mai 1997 von der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. voll und ganz am 28. April 1997 in Kenntnis gesetzt worden durch die Zusendung umfangreichen Informationsmaterials (Anlage 3). Wir sahen in Ihm damals noch einen Verbündeten in Sachen Denkmalschutz - wir sollten bitter enttäuscht werden. In dem Brief an Herrn Prof. Dr. Mainzer und seinen Stellvertreter Prof. Dr. Schulz hieß es unter anderem:

"Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Wuppertal hat die Schwebebahn mit allen Stationen 1980 in eine Wuppertaler Liste übertragen, ohne der Schwebebahn den ihr zukommenden Denkmalschutz zu gewähren. Seit über 16 Jahren steht die Bahn in dieser vorläufigen Wuppertaler Denkmalliste. Nun ist sie seit Januar dieses Jahres auch in der Denkmalliste der Stadt Wuppertal offiziell verzeichnet, aber erneut ohne Datumsangabe.

Es beginnt schon jetzt die Suche nach den Schuldigen, und die Stadtwerke betonen seit einigen Wochen immer wieder, sie hätten den Abriß und Neubau eng mit dem Landeskonservator abgestimmt.

Dieser habe sein Einverständnis für den Abriß des Gerüstes gegeben.

Sollte dies nicht stimmen, oder sollten Sie - ebenso wie die Wuppertaler Öffentlichkeit - über den Zustand der Schwebebahn und Ihres Gerüstes getäuscht worden sein, dann sollten Sie so schnell es eben geht die WZ darüber informieren, daß Sie die Erlaubnis zum Abriß des Gerüstes entweder gar nicht oder unter falschen Voraussetzungen gegeben haben.

Wir haben Stahlfachleuten die Träger mit den stärksten Lackschäden gezeigt, die zwischen Döppersberg und Robert-Daum-Platz zu finden sind, und dort nach dem Zustand des Stahls befragt. Man sagte uns, die Anrostung der Stützpfeiler beeinträchtige nicht nennenswert die Statik des Gerüstes. Das deckt sich mit der Einschätzung, die die Stadtwerke selbst in ihrem erst 1991 erschienenen Buch über die Wuppertaler Schwebebahn in aller Öffentlichkeit publizierten.

  • Wir möchten hiermit anfragen, was das Landesamt dazu veranlaßt hat, dem Abriß des historischen Gerüstes zuzustimmen.
  • Haben Ihnen die Stadtwerke ein Gutachten zum Zustand des Stahls und der Statik des Gerüstes unterbreitet und liegt dieses im Rheinischen Amt für Denkmalpflege bei Ihren Akten?
  • Könnten Sie uns in dieses Gutachten Einsicht verschaffen?
  • Wann haben Sie zuletzt die Untere Denkmalbehörde in Wuppertal aufgefordert, die Schwebebahn unter Denkmalschutz zu stellen?
  • Können Sie uns Ihren Schriftverkehr mit der Unteren Denkmalbehörde Wuppertals bezüglich der Schwebebahn zur Einsicht geben?"

Dem Brief lag umfangreiches Informationsmaterial unserer Bürgerinitiative bei, und zwar unser "Appell an den Rat der Stadt Wuppertal vom 3. Februar 1997" (Anlage 4) und unser Anschreiben samt Anfrage an den Rat der Stadt vom 24. 3.1997 (Anlage 5) mit einem Hinweis auf das Buch der Wuppertaler Stadtwerke aus dem Jahre 1991 (Anlage 6), wo die Bahn noch als modernes, sicheres Verkehrsmittel dargestellt wurde. Die Schwebebahn habe noch eine lange Zukunft vor sich und benötige nach den bereits erfolgten umfangreichen Renovierungsmaßnahmen der 80er Jahre nur noch einen neuen Korrosionsschutz.

Der Landeskonservator Prof. Dr. Mainzer und sein Stellvertreter Prof. Dr. Schulz, reagierten mit keiner Silbe auf dieses alarmierende und zugleich aufklärende Schreiben unserer Bürgerinitiative.

Mit der formellen Unterschutzstellung der Schwebebahn war nur eine Täuschung der Öffentlichkeit geplant. Die Öffentlichkeit sollte durch diesen Betrug in der Sicherheit gewiegt werden, die historische Schwebebahn werde als einzigartiges Weltkulturerbe und Wahrzeichen der Stadt erhalten bleiben.

In einem Telefonat am 30. April 1997 mit Herrn Prof. Dr. Mainzer teilte er mir mit, daß es ein Gutachten von Prof. Dr. Ing. Sedlacek (Aachen) zum Gerüst der Schwebebahn gebe. Dieses sei für ihn maßgeblich. Wenn wir als Bürgerinitiative überhaupt eine Chance haben wollten mit unseren Einwendungen gegen den Abriß der Schwebebahn, müßten wir selber ein Gegengutachten einholen.

Bereits am Donnerstag, dem 29. Mai 1997, also 6 Tage nach der rechtswidrigen Behörden-Absprache in Düsseldorf übersandten wir dem Landeskonservator Prof. Dr. Mainzer per Einschreiben und Rückschein einen "Brandbrief" (Anlage 7)samt einer Kopie des Protokolls jener konspirativen Sitzung vom 23. Mai 1997. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. kommentierte das Protokoll bereits damals mit den Worten:

"Ich kann mir nicht vorstellen, daß das Landesamt für Denkmalpflege die Verantwortung für den sinnlosen Abriß der Wuppertaler Schwebebahn übernehmen will. Weil Sie die Diskussion im Rat und in den Fraktionen hier im Augenblick nicht verfolgen können, teile ich Ihnen mit, daß Sie im Augenblick überall als der Hauptkronzeuge angeführt werden, daß man die Bahn abreißen dürfe und alles mit dem Denkmalschutz abgesprochen worden sei. Das Protokoll der WSW scheint uns dies zu bestätigen. Die dort vom Landschaftsverband gegebenen Erlaubnisse zum Abriß der gesamten Originalsubstanz sind eindeutig rechtswidrig, solange sie nicht aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig sind, d.h. wenn auch eine renovierte Schwebebahn stillgelegt werden müßte oder aus ihre eine reine Museumsbahn werden würde. Die Bahn kann aber ohne weiteres den Verkehr wie in den vergangenen 96 Jahren bewältigen und ist damit so funktionsfähig wie eh und je. Wir werden als Wuppertaler Bürger keineswegs unsere Recherchen und unsere Öffentlichkeitsarbeit einstellen, wenn mit dem Abriß der Bahn begonnen werden sollte. Wir werden die Schuldigen für diesen Skandal sehr wohl beim Namen zu nennen wissen. Die Bahn fällt nicht der Korrosion zum Opfer, sondern Machenschaften, bei denen es um sehr viel Geld geht. Es sind schon ganz andere Skandale aufgedeckt worden, wobei dieser bereits im Rampenlicht der Analyse steht, obwohl er noch gar nicht begonnen hat. Sollte man allerdings aufgrund der Zustimmung des Landeskonservators mit dem Abriß einer intakten Bahn beginnen, werden wir nicht länger intern mit unseren Informationen aktiv bleiben. In dem WSW-Papier (vom 23.5.97) wird der Landschaftsverband schwer belastet rechtswidrig zu handeln. ...

Wir wären Ihnen für eine umgehende Antwort verbunden. Auf unsere Schreiben vom 28. April 1997 wurde leider bis heute nicht reagiert.

Mit freundlichen Grüßen

Anlage Anschreiben an den Rat der Stadt vom 23. Mai 1997 und vom 28. Mai 1997. " (Anlage 8 und 9)

Auch auf dieses Schreiben antwortete der Landeskonservator erneut mit keiner Zeile! Nach diesem ignoranten Schweigen des Landeskonservators, versuchte unsere Bürgerinitiative, an das Gutachten von Prof. Sedlacek zu kommen. Als dies nicht gelang, folgten wir dem Vorschlag von Prof. Mainzer, selber ein Gutachten einzuholen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin war bereit, ein Gutachten für die Bürgerinitiative zu erstellen. Am 23.10.1997 haben wir bei den Stadtwerken angefragt, ob wir mit eigenen vereidigten Sachverständigen das Gerüst während einer Stillegungszeit im November betreten dürften. Unser Antrag wurde von den Stadtwerken am 30.10.1997 abgelehnt (Anlage 10).

Während alle Versuche unserer Bürgerinitiative scheiterten, Einsicht in die Gutachten zu erhalten oder selber Gutachten zum Gerüst einzuholen, hatte der Mitarbeiter des Landeskonservators, der für Wuppertal zuständige Gebietsreferent Herr Dr. Thiel, bereits am 16. Juni 1997 einen Brief an die Bezirksregierung geschrieben. Darin gab er seine Zustimmung zum Abriß eines Teilstücks des Schwebebahngerüstes:

"Die Stützenauswechslung und Änderung der Trassenführung wurden von seiten der Wuppertaler Stadtwerke mit sicherheitstechnischen und statischen Belangen begründet. Unterlagen, anhand deren die technischen Notwendigkeiten überprüft werden können, liegen dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege nicht vor. Eine schriftliche Erläuterung des Vorhabens ist ebenfalls nicht erfolgt. Unter der Voraussetzung, daß die o.a. Belange zutreffend sind, bestehen aus denkmalpflegerischen Gründen keine grundsätzliche Bedenken gegen die im Betreff angeführten Maßnahmen." (Anlage 11)

Ohne Unterlagen, das heißt ohne materielle Prüfung, wird die Zustimmung zum Abriß und Neubau erteilt. Dies ist ein eindeutiger Verstoß gegen § 26 des Denkmalschutzgesetzes. Dort heißt es:

" Der Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis nach diesem Gesetz ist schriftlich mit den zur Beurteilung des Vorhabens erforderlichen Unterlagen bei der zuständigen Denkmalbehörde einzureichen."

Die von uns stets angemahnten Unterlagen liegen aber allesamt nicht vor. Der Denkmalschutz, der gerade erst erneut am 2. Juni 1997 unter großer Öffentlicher Anteilnahme durch den Wuppertaler Stadtrat erfolgte, wurde ausgerechnet durch den Landeskonservator durch seine Zustimmung aufgehoben! An das zitierte Schreiben gelangte unsere Bürgerinitiative nur im Rahmen eines Prozesses gegen den Bau des Teilabschnittes im Bereich der Stützen 96-102, sonst wäre dieses perfide doppelbödige Spiel rechtsbeugender Beamter niemals bekannt geworden.

An einen Bürger, dessen Haus direkt neben dem Schwebebahnbahnhof in der Sonnborner Straße steht, schrieb der gleiche Dr. Thiel einen beruhigenden Brief, mit dem das falsche Spiel bemäntelt werden sollte.

Darin behauptet er wahrheitswidrig:

"Die Erneuerung des Schwebebahngerüstes wird gemäß Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Für jeden Planfeststellungsabschnitt wird der Abwägungsprozeß zwischen Erhaltung und Aufgabe von Originalsubstanz durchgeführt. Die entsprechenden Begründungen liegen sowohl dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege wie auch der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Wuppertal vor. Alle Entscheidungen erfolgen gemäß den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes in Abstimmung mit den städtischen Behörden." Brief an Herrn Peter Zimmer vom 8. Januar 1998 (Anlage 12).

Wir können nachweisen, daß diese Äußerung des Gebietsreferenten schlichtweg gelogen ist. Zum gesamten Streckenabschnitt der Landstrecke gibt es kein Gutachten neueren Datums von vereidigten Sachverständigen und erst recht keines, das den maroden Zustand des Gerüstes beweisen würde. Es liegen nur für einen ca. 30 Meter kurzen Abschnitt des Gerüstes der 13,3 km langen Schwebebahn Gutachten neueren Datums (aus dem Jahre 1995/96) vor. Es handelt sich dabei um die Gutachten zum Bahnhof "Werther Brücke"

Diese Gutachten werden erwähnt in einer Ausarbeitung der Wuppertaler Stadtwerke. (Anlage 13). Die Wiedergabe der Ergebnisse erfolgt auf den Seiten 30 ff unter dem Abschnitt "Situation der Haltestellen" in bewußt verwirrender Weise. Erst eine Analyse der aus dem Zusammenhang der Original-Gutachten herausgerissenen Zitate ergibt, daß der Bahnhof "Werther Brücke", seine Stützen und Brücken dem heutigen Verkehr vollkommen gewachsen sind! Der Stahl ist keineswegs marode! Eine Analyse des WSW-Papiers durch die Bürgerinitiative liegt ebenfalls bei. (Anlage 14) Es läßt sich sogar eine Taktverdichtung von 3 Minuten auf 2 ½ Minuten verantworten, wie es die Stadtwerke bereits in den 70er Jahren mit der neuen Fahrzeuggeneration anstrebten. Für diese Taktverdichtung und die schnelleren Fahrzeuge wurde das gesamte Gerüst des Bahnhofs 1984 statisch verstärkt. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der Abschluß der Renovierungsarbeiten 1984 gefeiert (siehe Anlage 6). Der Bahnhof "Werther Brücke" ist heute in einem besseren Zustand als vor 20 Jahren, sowohl was die Statik als auch den Korrosionsschutz und das historische Erscheinungsbild betrifft. Gerade dieser vorbildlich renovierte Bahnhof macht sichtbar, daß es sich bei der 98jährigen Bahn um ein Weltkulturerbe handelt, auf das jeder andere Landeskonservator stolz wäre, es unter seinem Schutz stehen zu haben. Es wäre gerade die Pflicht des Landeskonservators gewesen, dieses Bauwerk vor den unerträglichen Machenschaften dieser korruptesten Stadt Deutschlands in Schutz zu nehmen.

Wie man von einem statisch verstärkten, stabilen Bahnhof, einem glänzend sanierten Schmuckstück der Stadt, auf ein marodes Gerüst schließen kann, bleibt das Geheimnis des Landeskonservators, Prof. Mainzer, seines Mitarbeiters Dr. Thiel, der Stadt Wuppertal und der Wuppertaler Stadtwerke, denn bis heute sind die drei oben genannten Gutachten unter strengstem Verschluß.

Das Versteckspiel um die Gutachten ist aus ihrer Sicht auch verständlich, weil sie nachweislich die Öffentlichkeit über den angeblichen seit Mitte der 80er Jahre marode gewordenen Zustand des Gerüstes belügen. Der einzige Denkmalschützer, der pflichtgemäß die Schwebebahn im Januar 1997 in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal eintragen wollte, Herr Haltaufderheide, wurde laut eigener Aussage vom Oberbürgermeister Dr. Kremendahl unter Androhung der Entlassung von dieser Amtshandlung abgehalten (siehe beiliegende eidesstattliche Erklärung vom Mai 1997).

Auf die 98-jährigen Stützen der 3,3 km langen Landstrecke und die drei Bahnhöfe ist das Gutachten über den Bahnhof Werther Brücke nicht übertragbar! Bei der Landstrecke handelt es sich um einen abschüssigen Streckenabschnitt, der mit einer wesentlich massiveren Konstruktion gebaut wurde. Dabei wurden bereits die Erfahrungen beim Bau der Wasserstrecke berücksichtigt. Hier hatte es im ersten 800 m langen Teststrecken-Abschnitt bereits 1899 Bedenken wegen einer zu schwachen Konstruktion gegeben, weshalb man im weiteren Bauverlauf immer stabiler baute. Bei den Landstrecken-Stützen handelt es sich nicht um Fachwerkkonstruktionen wie beim Bahnhof "Werther Brücke", sondern um Vollwandträger. Die drei Bahnhöfe der Landstrecke stehen jeweils auf 6 Stützen, von denen je vier zu sogenannten "Ankerstützen" über Rundbögen verbunden wurden. In den 80er Jahren wurden die Bahnhöfe mit Querträgern nochmals statisch verstärkt und über schwere Schraubkonstruktionen fest mit dem Untergrund verankert.

Besonders unsinnig ist die Zustimmung von Dr. Thiel auch zum Abriß des sog. Sonnborner Bogens im Bereich der Stützen 96-102. Hier befinden sich moderne Hohlwandträger aus den 70er Jahren, die man einbaute, als die dortige Straße erweitert wurde. Im Planfeststellungsverfahren für diesen Teilabschnitt wurden die Einwände mit dem Hinweis auf Gutachten vom Tisch gefegt, Gutachten, die es gar nicht gibt!

Die Einwände bezüglich des Abrisses und Neubaus der Landstrecken-Bahnhöfe, Bruch, Hammerstein und Sonnborner Straße, wurden vom Vertreter der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. während des Erörterungstermins am 9.6.1998 zu Protokoll gegeben:

"c) Gutachteneinsicht

Die Einwender stellen nach längerer Erörterung konkret folgende Forderungen:

Das Gutachten zur Schwebebahn-Haltestelle Werther Brücke sei mit seinen Ergebnissen nicht ohne weiteres auf alle anderen Stationen übertragbar. Deshalb seien für die drei in der Planfeststellung befindlichen Haltestellen Gutachten erforderlich, die vom Umfang her mit dem zur Werther Brücke vergleichbar seien. Diese Gutachten seien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Schließlich sei im Hinblick auf die vorzunehmenden Befreiungen von den Maßgaben des Denkmalschutzes ein diesbezügliches Gutachten erforderlich.

In diesem Zusammenhang stelle sich überdies die Frage, warum der Landeskonservator erneut nicht am Erörterungstermin teilnehme.

Der Vertreter der Wuppertaler Stadtwerke AG verweist auf seine Gegenäußerung und erklärt, daß die (Schwebebahn-)Brücke der Haltestelle "Werther Brücke" genauso belastet sei wie die Brücken aller anderen Stationen. Daher seien die Ergebnisse dieses Gutachtens auch auf die Brücken der anderen Stationen übertragbar. Darüber hinaus liege eine von Sachverständigen gegengeprüfte Grundsatzbemessung für alle an der Schwebebahn vorkommenden Brücken- und Stützentypen vor, die auch die Verhältnisse an den Landstreckenbahnhöfen untersucht habe. Danach seien die vorhandenen Querschnitte bei weitem nicht ausreichend. Auszüge und Ergebnisse daraus liegen den Planfestellungsverfahren bei.

Auf Nachfrage erklärt der Vertreter der Technischen Aufsichtsbehörde, daß die Ergebnisse des Gutachtens zur Werther Brücke - wie von der Wuppertaler Stadtwerke AG vorgetragen - auf die anderen Haltestellen übertragbar seien. Es sei absolut zulässig, hieraus Schlüsse auf den Zustand der Gesamtstrecke zu ziehen. Für ihn stehe fest, daß Verbesserungen und Verstärkungen der Strecke dringend erforderlich seien."

Die Aussage, daß die Schwebebahn-Brücke des Bahnhofs "Werther Brücke" genauso belastet sei wie die aller anderen Stationen und deshalb die Gutachten übertragbar seien, ist logisch unsinnig. Man kann schließlich nicht von der Statik einer Brücke auf die Stabilität oder Statik anderer Brücken schließen, nur weil man über alle verschiedenen Brücken mit dem gleichen Gewicht fährt.

Aber wir wollen uns hier nicht mit kurioser "Logik" befassen, sondern mit dem, was der Vertreter der Stadtwerke wohl hat aussagen wollen. Um diesem Satz irgendeinen Sinn zu entlocken, gehen wir einmal davon aus, daß er meint, die Statik der Brücken sei in allen Bahnhöfen identisch. Wer in der Sache nicht kundig ist, der glaubt, daß sich diese Aussage des WSW-Vertreters, Herrn Günther Beyen, auf einen Vergleich der Bahnhöfe beziehe. In Wirklichkeit ist etwas ganz anderes damit gemeint.

Die Aussage bezieht sich nur auf die durch die Bahnhöfe hindurchführende Fachwerkkonstruktion, an der die Tragschiene hängt. Man kann diese Brücken aber von den Stützen aus den Bahnhöfen abmontieren und dann wieder einbauen, wie es z.B. am Bahnhof Döppersberg vorgesehen ist. Der Bahnhof Döppersberg und die Stützen darin bleiben stehen, obwohl man die Brücken austauscht! Die Landstrecken-Bahnhöfe könnten genauso stehen bleiben, wenn man denn unbedingt die Brücken austauschen müßte. Wir bestreiten aber auch, daß die Konstruktion der heutigen Station "Werther Brücke" - ihre Stützen, ihre Brücke und ihr Bahnhof - dem heutigen Verkehr und einer Taktverdichtung auf 2 ½ Minuten nicht standhalten würde. Die Station "Werther Brücke" ist ja in einem hervorragenden Zustand! Der Einwand der Bürgerinitiative wurde also gar nicht widerlegt, weil man zur Konstruktion der auf 6 Stützen stehenden Landstrecken-Bahnhöfe gar nichts ausgesagt hat! Wortklauberei ersetzt so eine sachliche Information.

Bei der vom Stadtwerke-Vertreter, Herrn Beyen, angeführten "Begründung für die Nichterhaltbarkeit der Altsubstanz der Schwebebahn-Tragkonstruktion" vom 1.11.1997 (Anlage 13) handelt es sich um eine Zusammenfassung aller Argumente, die für einen Neubau seitens der Stadtwerke vorgetragen werden.

Bei den erwähnten "Grundsatzbemessungen" für die gesamte Strecke der Schwebebahn handelt es sich nicht um Gutachten zum aktuellen Zustand der Bahn, sondern um einen Vergleich der Querschnitte der Stahlträger der heutigen Konstruktion mit denen der künftigen Konstruktion anhand der alten und neuen Pläne. Eine solcher Vergleich mag in anderen Zusammenhängen wichtig sein, z.B. bei einer Berechnung der Tonnage oder des Kostenanschlages; für die Beurteilung des akuten Zustandes und seiner Verschlechterung gegenüber der Zeit von Pelikan/Reinitzhuber sagen diese Zahlenkolonnen dagegen gar nichts aus. Eine Analyse dieses WSW-Papiers durch die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. liegt dieser Aufsichtsbeschwerde bei (Anlage 14).

Nach den Ausführungen des Stadtwerke-Vertreters wandte sich der Verhandlungsleiter, Herr Ludwig, ausdrücklich an den Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung (Dezernat 53), Herrn Waschke, mit der Nachfrage nach einer fachkundigen Beratung, ob es denn stimme, was die Stadtwerke ausführten:

"Auf Nachfrage erklärt der Vertreter der Technischen Aufsichtsbehörde, daß die Ergebnisse des Gutachtens zur Werther Brücke - wie von den Wuppertaler Stadtwerke AG vorgetragen - auf die anderen Haltestellen übertragbar seien."

Das ist gelogen. Herr Waschke hat damit eindeutig in einem zentralen Punkt des Planfeststellungsverfahrens seine Amtsbefugnisse und seine Kompetenz mißbraucht! Er mußte nach Anschauung des Gerüstes, nach Befragung von unabhängigen Fachleuten sofort erkennen, daß diese Aussage nicht stimmen kann. Er macht sich zum Komplizen der betrügerischen Argumentation der am Abriß interessierten privatrechtlichen Aktiengesellschaft, den WSW, einem Unternehmen, das für den Neubau unrechtmäßig 450 Millionen DM Subventionsgelder erhalten soll! Herr Waschke hätte sagen müssen: Die Brückenkonstruktionen sind am gesamten Gerüst der Schwebebahn ähnlich, wenn auch nicht identisch, denn jeder Teilabschnitt des Gerüstes ist individuell dem jeweiligen Streckenabschnitt angepaßt. Tausende von Trägern wurden im Verlauf der Geschichte des Gerüstes durch neue ersetzt. Jede Reparatur und Austauschmaßnahme wird in Brückenbüchern festgehalten. Auch ganze Stützen und Streckenabschnitte wurden komplett ausgetauscht. Eine pauschale Übertragung eines Gutachtens zu einem nur 30 Meter kurzen Teilstück auf die Gesamtstrecke ist daher unzulässig.

Die Bahnhöfe der Wasserstrecke und der Landstrecke selbst haben sogar eine vollständig andere Konstruktion. Die Gutachten zum Bahnhof Werther Brücke sind daher in keiner Weise auf die Landstrecken-Bahnhöfe zu übertragen.

Wir wollten während des Planfeststellungstermines den Landeskonservator fragen: Wie konnten Sie Ihre Zustimmung zum Abriß der Landstrecken-Bahnhöfe und der gesamten Landstrecke erteilen, obwohl zu diesem Abschnitt der Schwebebahn - ebenso wie für 99% der gesamten Strecke gar keine Gutachten vorliegen?! Doch die anstehende Zerstörung des - nach dem Kölner und Aachener Dom - berühmtesten Bauwerks in Nordrhein-Westfalen war dem Landeskonservator erneut keine Fahrt zum Planfeststellungstermin wert. Und das bei einem Bauwerk von vielfacher Größe des Eiffelturmes, einem Milliarden schweren Bauprojekt!

Auch gegen den Vertreter der Technischen Aufsichtsbehörde des Dezernates 53 wurde wegen Beihilfe zur Täuschung der Öffentlichkeit durch wissentlich falsche Aussagen im Rahmen der Anhörung eine Aufsichtsbeschwerde beim Innen- und Justizminister Dr. Fritz Behrens eingereicht.

Ohne jede sachliche stichhaltige Begründung wird ein Monument der Technik-Geschichte, ein Welterbe der Menschheit für immer zerstört. Dies ist der größte Denkmalschutzskandal der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland!

Sehr geehrter Herr Dr. Wilhelm! Leiten Sie bitte unverzüglich dienstrechtliche Schritte gegen den Landeskonservator Prof. Dr. Udo Mainzer und seinen Mitarbeiter Dr. Thiel ein. Ihre Zustimmung zum Abriß des unter Denkmalschutz gestellten Bauwerkes war rechtswidrig, weil seitens des Landeskonservators keine Prüfung erfolgte, ob Gerüst und Bahnhöfe tatsächlich unrettbar "marode" seien. Es wurde blindlings den Behauptungen des Betreibers der Schwebebahn und den falschen Aussagen der technischen Aufsichtsbehörde Glauben geschenkt, denn Gutachten zum Gesamtzustand der Schwebebahn, wonach das Gerüst seit 1985 marode geworden sei, gibt es gar nicht. Dies hätten der Landeskonservator wissen müssen, aber er handelte nicht, wie es seine gesetzliche Pflicht gewesen wäre. Eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, die 450 Millionen DM als Subventionsgeschenk vom Land NRW erhält, konnte sich so betrügerisch die Berechtigung zum Abriß und Neubau erschleichen. Die Behauptungen, das Gerüst sei marode und die Sicherheit der Fahrgäste sei gefährdet wurden nur vorgeschoben. In Wahrheit ist das Gerüst der Schwebebahn heute stabiler als vor 22 Jahren. Damals stellte der Landeskonservator nach umfangreichen positiven Gutachten die Bahn erstmalig unter Denkmalschutz. Beide Herren, sowohl Herr Prof. Dr. Mainzer also auch Herr Dr. Thiel haben sich unverantwortlich gegenüber dem Denkmalschutz im Rheinland verhalten und unserem Lande schweren Schaden zugefügt.

Ein unwiderruflicher Teilschaden ist durch diese Dienstpflichtverletzung schon entstanden! Die Bauarbeiten sollen sich aber noch über ca. vier Jahre hinweg erstrecken. Leiten Sie deshalb unverzüglich alle möglichen Schritte ein, um den durch Ihre Beamten verschuldeten Schaden an einem nationalen und internationalen Kulturerbe abzuwenden!

Hochachtungsvoll

  1. A. der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!"

 

 

Burkhard Stieglitz

 

Wegen der herausragenden Bedeutung dieses Problems leiten wir diese Aufsichtsbeschwerde außerdem an

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