logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 11.09.1998

Nachrichtlich an die Landespressekonferenz

An den
Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal
Dr. Hans Kremendahl
Rathaus Barmen
42275 Wuppertal

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

Die Korruptionsaffäre hat nun die Stadtspitze erreicht und Sie haben öffentlich aufgerufen: "Wer etwas weiß soll sich melden!" Die Stadt Wuppertal hat das Schlimmste erst noch vor sich.

Am 30.4.1998 lasen die Wuppertaler in WZ Ihre Forderung: "Beim Schwebebahnausbau muß mehr Transparenz ins Spiel." Diese Transparenz wurde bis heute nicht hergestellt. Die Stadtwerke haben bis heute die Gutachten wonach das Gerüst marode sein soll nicht der Öffentlichkeit zur Prüfung gegeben. Am 8. September 1998 schrieb uns der Stellv. Vorsitzende der Sozialdemokratischen Bundestagsfraktion Rudolf Dreßler: "Die Gutachten für den Schwebebahnausbau wurden der Öffentlichkeit vorgestellt." Dies ist glatt die Unwahrheit. Wir haben Herrn Dreßler heute in einer Presseerklärung aufgefordert: "Fangen Sie bloß nicht an zu lügen, Herr Dreßler". Bis heute haben Sie, Herr Dr. Kremendahl, weder als Aufsichtsratsvorsitzender, noch als Oberbürgermeister dafür Sorge getragen, daß die Forderung nach Offenlegung der Gutachten, die der Petitionsausschuß des Landtage, der Bund der Steuerzahler und die Bürgerinitiative Rettet die Schwebebahn erfüllt wurde. Der Bund der Steuerzahler hat an den Chef der Schwebebahn Günter Beyen ausdrücklich die Art der "Präsentation" der Gutachten gerügt und festgestellt, daß im Rahmen einer Pressekonferenz selbstverständlich keine Prüfung der Gutachten erfolgen kann. Die angebliche Präsentation war ein reines Betrugsmanöver, um die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen.

Sie, Herr Dr. Kremendahl sind es selbst, die die öffentliche Kontrolle des betrügerischsten Bauprojektes der Stadtgeschichte verhindern. Dennoch sind wir mit unseren Recherchen mittlerweile so weit daß wir folgendes definitiv festellen können:

  1. Die Gutachten von 1969 bis 1975 auf die sich die Stadtwerke laut WZ-Bericht vom 3.6.1998 stützen bescheinigen nicht etwa, daß das Gerüst "marode" ist, sondern im Gegenteil, daß das Gerüst noch bis 2050 halten kann.
  2. Es heißt in dem WZ-Artikel weiter "Damals wurde außerdem nach den Untersuchungen die Fahrgastzahl vermindert, um das Gewicht der Wagen zu verringern." Vor dem Ersten Weltkrieg hat es einmal die Besorgnis gegeben, das Gerüst sei dem Verkehr nicht gewachsen. Damals zählte man die Fahrgastzahlen pro Wagen ab und ließ nicht mehr als je 50 Personen in den Triebwagen und seinen Anhänger. Die Befürchtungen erwiesen sich aber in den folgenden 80 Jahren als völlig unbegründet und Anfang der 70er Jahre wurde die neue Fahrzeuggeneration angeschafft, die die Kapazität auf 205 Personen pro Gelenkzug erhöhte! Die Präsentation der Gutachten war also seitens der Stadtwerke AG mit Lügen gespickt!
  3. Die Schwebebahn erhielt von 1979 bis 1984 eine derartige statische Verstärkung, daß Ihr Vorgänger im Amte, Oberbürgermeister Gurland, sogar von einem neuen Gerüst sprach. Die Kosten der Baumaßnahme: 37 Millionen DM.

Die Schwebebahn braucht einen neuen Korrosionsschutz, sie braucht leisere Schienen (z.B. das Ortec II System), sie braucht neue Fahrzeuge, die leichter sein sollten, mehr Fahrgäste Transportieren und die Traglasten besser auf das Gerüst verteilen (gleichmäßigerer Radabstand), sie braucht Aufzüge für Behinderte, vielleicht ein neues Signalsystem aber eines braucht die Schwebebahn eben nicht:

sie braucht kein neues Gerüst und keine neuen Bahnhöfe.

Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Das Gerüst ist intakt. Die Stadtwerke blocken die Veröffentlichung der Gutachten ab, weil es keine Gutachten gibt, die den maroden Zustand des Stahls und der Nieten nachweist. Das haben wir ihnen schon vor 1 ½ Jahren geschrieben. Sie haben es bis heute nicht für notwendig erachtet, sich über die Gutachten kompetent zu machen. Sie haben der kritischen Öffentlichkeit (Bund der Steuerzahler, Bürgerinitiative Rettet die Schwebebahn! ) bis heute nicht die Gutachten zur Werther Brücke zugänglich gemacht.

Wir sind im Besitz einer "Begründung der Nichterhaltbarkeit der Altsubstanz des Schwebebahngerüstes" des leitenden Ingenieurs des Schwebebahnneubaus, Lothar Bremer. Aus diesem Gutachten geht eindeutig hervor, daß das Schwebebahngerüst dem heutigen Verkehr gewachsen ist! Wer etwas anderes behauptet der lügt! Genau diesen Eindruck haben aber die Stadtwerke versucht zu erwecken. Auch die Behauptung, die Gutachten zum Bahnhof "Werther Brücke" seien übertragbar auf die Bahnhöfe oder das Gerüst der Landstrecke ist eine glatte Lüge. Die Statik der Landbahnhöfe, die auf sechs Vollwandträgern ruhen ist eine andere als die der Wasserstrecke. Diese Bahnhöfe hängen an Stahlträgern in Gerüstbauweise.

Wir bieten Ihnen hiermit nochmals an, die Gutachten von Prof. Sedlacek, Spiekermann und der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt durch die Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung kontrollieren zu lassen. Dabei richtet sich der Verdacht keineswegs auf falsche Berechnungen dieser Institute. Vielmehr werfen wir den Stadtwerken falsche Grundbedingungen bei ihren Berechnungen vor. Der beipsiellose Betrug der Stadtwerke besteht darin, daß sie die Bedingung, die man 1975 für die Anschaffung neuer Fahrzeuge seitens der Sachverständigen aufgestellt hatte einfach ignorieren. Damals hatte man geschrieben, daß das Gerüst ohne weiteres bis zur Mitte des kommenden Jahrhunderts halten werde, vorausgesetzt, man schaffe keine schwereren Fahrzeuge an. Das ist ja auch gar nicht erforderlich, da die heutigen Fortschritte bei der Leichtbauweise dazu geührt haben, daß nochmals leichtere Fahrzeuge mit besserer Lastverteilung angeschafft werden können.

Die Ergebnisse der "Gutachten" der Stadtwerke, mit denen sie die Nichterhaltbarkeit der heutigen Substanz behaupten, beruhen also bloß in einer unverantwortlichen mißachtung der damals gestellten Bedinugnen. Vo einem maroden Stahl, von einer verschlechterten Statik, von Rost und gelockerten Nieten ist in den Gutachten nirgends die Rede!

Wir haben Ihnen die Lügen der Stadtwerke nunmehr - wie Sie es wünschten - deutlich dargelegt. Jetzt ist es ihre Plicht endlich einmal unserem lange geäußerten Vorwurf nachzugehen.