logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 02.02.1998

 

An den
Ministerpräsidenten von NRW
Johannes Rau
Katernberger Straße 171
42115 Wuppertal

 

Betreff: Schwebebahn-Gutachten

 

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident Rau!

Verzeihen Sie uns, wenn wir uns in Sachen Schwebebahn ein weiteres Mal an Sie wenden. Wir fühlen uns verpflichtet, Sie über den letzten Stand des sich nun anbahnenden Skandals zu informieren.

Die Bürgerinitiative bemüht sich seit einem Jahr, Einsicht in die Gutachten zu erlangen, wonach das Gerüst dem heutigen Verkehr statisch nicht mehr gewachsen sein soll. Bis heute werden diese Gutachten der Öffentlichkeit vorenthalten. Es wurde unserer Bürgerinitiative auch nicht die Möglichkeit eröffnet, selber durch vereidigte Sachverständige ein Gutachten anfertigen zu lassen. Unsere Bitte, in der Zeit vom 21.-24. November 1997 (während der Stillegung der Bahn) mit vereidigten Sachverständigen das Gerüst der Bahn zu begutachten, wurde seitens der Stadtwerke abschlägig beschieden. Der an Sie gerichtete und von Ihnen an das Ministerium für Stadtentwicklung, Sport und Kultur zur Beantwortung weitergeleitete Brief vom 6.11.1997 wurde dort nicht beantwortet.

Wir haben uns inzwischen an die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin gewandt. Dem beiliegenden Schreiben von Herrn Prof. Dr. Ing. Bernd Isecke vom 19. Januar 1998 können Sie entnehmen, welche Qualität ein Gutachten aufweisen müßte, um wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen.

Die Bundesanstalt hat sich freundlicherweise grundsätzlich bereit erklärt, die Gutachten zur Schwebebahn einer Prüfung zu unterziehen. Wir wiederholen deshalb hiermit unsere Bitte an Sie, uns sämtliche Gutachten zur Schwebebahn aus Vergangenheit und Gegenwart zwecks Überprüfung durch die BAM zukommen zu lassen. Alle Gutachten zum Wahrzeichen unserer Stadt liegen bei der Bezirksregierung Düsseldorf, bzw. beim Landesministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr vor. Dies teilte mir Herr Waschke von der Düsseldorfer Bezirksregierung anläßlich des Erörterungstermins im Planfeststellungsverfahren zum Sonnborner Bogen am 3.12.1997 persönlich mit. Frau Ministerin Brusis kann uns die Gutachten also tatsächlich nicht zur Verfügung stellen.

Korrosionschutzuntersuchungen an einem Bauwerk wie der Schwebebahn dürften ca. 250 Tausend DM kosten. Die zusätzlichen Kosten für die Dehnungsmessungen am Gerüst an 32 Meßpunkten liegen zwischen 70 und 100 Tausend DM. Angesichts eines Milliardenprojektes und eines Welterbes der Menschheit wahrlich eine geringe Summe!

In Mülheim-Kärlich muß jetzt ein für 6 Milliarden DM fertiggebautes Kernkraftwerk für eine weitere Milliarde wieder abgerissen werden, nur weil man keine hieb- und stichfesten Gutachten über den Baugrund eingeholt hatte, wie dies gesetzlich vorgeschrieben war. Die RWE müssen vermutlich für die Hälfte des Schadens aufkommen - und damit wieder zu 57% die an den RWE beteiligten Kommunen in NRW. Jetzt stürzt man sich in NRW ohne wissenschaftlich fundierte Gutachten erneut in ein Milliarden-Projekt: den Abriß und Neubau der Schwebebahn! Hat man aus Mülheim-Kärlich denn nichts dazugelernt? Die Überprüfung der Gutachten zum Schwebebahngerüst muß sofort in aller Öffentlichkeit erfolgen. Mit jedem Tag wird der Schaden für Stadt und Land größer. An den Gutachten muß doch etwas faul sein, sonst könnte man sie doch der Öffentlichkeit zur wissenschaftlichen Überprüfung zugänglich machen! Die WSW könnten mit den Gutachten doch ihre eigene Position untermauern!

Kein Politiker dieser Stadt hat ein so hohes Ansehen wie Sie, sehr verehrter Herr Ministerpräsident Rau! Und wir wünschen uns, daß das auch so bleibt, denn in Wuppertal ist man stolz auf Sie. Wir appellieren an Sie, als gebürtigen Wuppertaler und ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt: machen Sie das Projekt zu Ihrer Chefsache! Wem stünde unsere Schwebebahn in der Landesregierung näher als Ihnen. Wir wenden uns daher vertrauensvoll an den Ehrenbürger unserer Stadt. Ihnen wird es keiner verwehren können, wenn Sie unserer Bürgerinitiative alle Gutachten zur Schwebebahn (auch die von Prof.Dr. Reinitzhuber, Prof. Dr. Pelikan usw.) zukommen lassen, damit wir sie zur Prüfung an die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin weiterleiten. Die Bereitschaft der BAM, eine derartige Prüfung vorzunehmen, können Sie ebenfalls beiliegendem Schreiben entnehmen.

Wir sind der Überzeugung, daß unsere Schwebebahn diesen Mindestaufwand an Aufmerksamkeit verdient hat und daß es der Respekt vor dem Meisterwerk unserer Vorfahren gebietet, den Grund für den Komplettabriß unanfechtbar zu beweisen. Auch unsere Nachfragen als Bürger dieser Stadt verdienten es, sachkundig und redlich beantwortet zu werden. Schwerster finanzieller und ideeller Schaden für das Land NRW und Wuppertal kann jetzt noch rechtzeitig abgewendet werden!

Wir schreiben dies ein viertel Jahr vor Beginn der Abrißarbeiten.

Im Auftrag der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!"

Mit vorzüglichher Hochachtung

 

Burkhard Stieglitz

Anlage: Kopie des Briefes der BAM vom 19.1.1998