logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 16.04.1997

An den

Präsidenten der Bundesanstalt für

Materialforschung und - Prüfung (BAM)

Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Czichos

Unter den Eichen 87

12205 Berlin

Betreff: Gutachten zur Schwebebahn

 

Sehr geehrter Herr Professor Czichos,

wie Sie vielleicht der Presse entnommen haben plant die Stadt Wuppertal den vollständigen Abriß und Neubau der sicherlich auch Ihnen bekannten und weltberühmten Wuppertaler Schwebebahn. Bei diesem um die Jahrhundertwende entstandenen Bauwerk handelt es sich um ein hochrangiges Industriedenkmal, das Merkmale der Einzigartigkeit aufweist, so daß man ihm bei der UNESCO große Chancen einräumt als Kulturerbe der Menschheit anerkannt zu werden. Die Schwebebahn dokumentiert in herausragender Weise die verkehrstechnischen Möglichkeiten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Um den kompletten Abriß und Neubau der Schwebebahn zu verhindern, bzw. auf den sicherheitstechnisch notwendigen Teil zu beschränken, hat sich die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. gegründet.

Nach unserer bisherigen Korrespondenz mit dem Betreiber der Schwebebahn müssen wir leider davon ausgehen, daß ein sachgerechtes Gutachten, welches den Abriß und Neubau als technische Notwendigkeit aus dem augenblicklichen Zustand nahelegt, bisher nicht vorliegt.

Meine Frage an Sie als Leiter einer hochrangigen und weltweit anerkannten Institution lautet deshalb: Kann die BAM aufgrund ihrer technischen Kompetenz ein Gutachten anfertigen, das Auskunft gibt über den gegenwärtigen Korrosionszustand des Traggerüstes und der über diesen Zustand definierten Möglichkeiten der Instandsetzung? Grundsätzlich handelt es sich bei der Konstruktion um eine wie zur Entstehungszeit übliche genietete Stahlkonstruktion, die mit Anstrichen , die zu unterschiedlichen Zeiten aufgebracht und ergänzt wurden, gegen Korrosion geschützt wird.

Die Fragestellung des Gutachtens sollte zunächst eingeschränkt sein auf den Korrosionszustand, da dieser die hauptsächliche Rolle bei der Diskussion über den geplanten Abriß und Neubau spielt.

Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie die Möglichkeit eines Gutachtens in Ihrem Hause erörtern könnten und uns einen kompetenten Ansprechpartner benennen würden.

Nachdem in zwei Gutachten von Prof. Dr. Reinitzhuber (Dortmund) und Prof. Dr. Pelikan (Stuttgart) Ende der 60er und Mitte der 70er Jahre im Auftrage der Wuppertaler Stadtwerke festgestellt wurde, daß die Tragkonstruktion noch weitere 75 Jahre halten könne, stellte der Landeskonservator des Rheinlandes die Bahn 1976 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Die beiliegende Broschüre des Landesamtes für Denkmalschutz dokumentiert die Einzigartigkeit der Schwebebahn, die noch heute zu ca. 85 % in ihrer Originalsubstanz erhalten ist (Wagenhalle, Bahnhöfe, "Kaiserwagen" und Gerüst).

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Burkhard Stieglitz

Vorsitzender

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fragen:

Ist die Standfestigkeit der Bahn für den jetzt laufenden Verkehr durch die Korrosionsschäden gefährdet?

Durch welche Maßnahmen könnte das Gerüst in seiner Standfestigkeit gesichert werden.

Weiteres Material beilegen?

Einfügen: Mitte April wird ein erstes Brückenstück abgesenkt. Dabei wollen wir im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens uns juristisch Stücke des Stahlgerüstes herausschneiden lassen und lastdehnungsmessungen daran durchführen.

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Burkhard Stieglitz

Anlage(n):