logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 23.10.1997

Einschreiben/Rückschein

An
den Oberbürgermeister von Wuppertal
und Aufsichtsratsvorsitzenden der WSW AG
Dr. Hans Kremendahl
Rathaus Wegener Straße
42275 Wuppertal

Betre:ff Einholung eines Gutachtens zum Schwebebahngerüst durch die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e. V.

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Kremendahl!

Da die Schwebebahn am 26. Mai 1997 auf einstimmigen Beschluß des Stadtrates unter Denkmalschutz gestellt wurde, darf sie nur aufgrund eines wissenschaftlichen Gutachtens abgerissen und neu gebaut werden, das den verkehrsgefährdenden und unrettbar maroden Zustand des Gerüstes nachweist. Zunächst hieß es, den Stadtwerken lägen diese Gutachten vor. Aber alle unsere Bitten, uns die oder das Gutachten zugänglich zu machen blieben erfolglos.

Im Einzelnen bemühten wir uns an folgenden Stellen um die Gutachten:

1. Jeder Stadtverordnete erhielt am 26. März 1997 eine Anfrage mit 134 Fragen zum Schwebebahnprojekt. In Fragen Nr. 32 bis 59 beziehen wir uns auf die Gutachten und baten um Einsicht. Nicht ein einziger Stadtverordneter hat auf die Fragen reagiert.

2. Diese Anfrage an die Stadtverordneten ging auch an Sie, sehr geehrter Herr Dr. Kremendahl. Sie haben den Fragenkatalog an die WSW AG mit Bitte um Beantwortung weitergeleitet.

3. Die Anfrage erhielt auch die damalige Aufsichtsratsvorsitzende der WSW, Frau Ursula Kraus. Das Schreiben blieb unbeantwortet.

4. Die Anfrage ging an den Vorstandsvorsitzenden der WSW, Herrn Prof. Dr. Zemlin - keine Antwort!

  1. Der Kaufmännischen Direktor der WSW, Herrn Böhm erhielt die Anfrage - keine Antwort!
  2. Der Ministerpräsidenten des Landes NRW, Herrn Johannes Rau, wurde die Anfrage zugeschickt. Der Ministerpräsident erklärte sich für das Milliardenprojekt Schwebebahnausbau für nicht zuständig und verwies uns an das Ministerium für Stadtentwicklung Sport und Kultur.
  3. Das Ministerium für Stadtentwicklung Sport und Kultur erklärt, daß ihm die von uns gewünschten Gutachten zur Schwebebahn gar nicht vorliegen.
  4. Der Landeskonservator des Rheinlandes, Prof. Dr. Mainzer reagiert auf unsere Bitte, uns die Gutachten zum Gerüst zukommen zu lassen mit keiner Zeile. Ebensowenig antwortet sein Stellvertreter Prof. Dr. Jörg Schulz. Beide erhielten die Aufforderung ebenso wie Frau Kraus, Herr Prof. Dr. Zemlin und Herr Böhm per Einschreiben.
  5. Der Petitionsausschuß des Landtages von NRW sieht sich nach Beratung und Anfrage bei den WSW außerstande, uns die Gutachten einsichtig zu machen, da die WSW ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen seien.
  6. Die untere Denkmalbehörde der Stadt Wuppertal erklärt sich außerstande uns Einsicht in die Gutachten zu ermöglichen.

Mittlerweile hat der Vorsitz im Aufsichtsrat der sich zu 99,5 % im Eigentum der Stadt befindlichen WSW gewechselt. Anläßlich der öffentlichen Diskussion im Barmer Rathaus zum Thema Korruption wurden Sie, sehr geehrter Herr Dr. Kremendahl, als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der WSW vor zwei Wochen erneut gefragt, warum man die Gutachten zum Zustand des Gerüstes nicht der Öffentlichkeit zugänglich mache. Sie antworteten auf insistierende Nachfragen, ein Gutachten "in dem Sinne, gebe es gar nicht". Das hatten wir seit geraumer Zeit vermutet, dennoch ist das Eingeständnis verblüffend, was immer die Klausel "in dem Sinne" nun heißen mag.

Wenn man bedenkt, daß bereits im Sommer dieses Jahres mit dem Abriß begonnen werden sollte, ist dies ein beunruhigendes Eingeständnis. Es muß doch auch in Ihrem Sinne sein, für kommende Generationen den lückenlosen Nachweis führen zu können, daß die Zerstörung der historischen Schwebebahn einschließlich des Abrisses der Jugendstilbahnhöfe einwandfrei begründet werden kann. Andernfalls würde die Stadt doch unverantwortlich handeln.

Die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. hat sich daher entschlossen die ersten Fachleute der Bundesrepublik auf dem Gebiet des Korrosionsschutzes von Stahlgerüsten mit einer gutachterlichen Stellungnahme zum Gerüst der Schwebebahn zu beauftragen. Die Zusagen der Professoren, nach Wuppertal zu kommen und die Bahn einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen liegen uns bereits vor.

Da im Rahmen dieses Gutachtens nicht nur die Stützen, sondern auch die Brücken analysiert werden müssen, ersuchen wir Sie hiermit, unseren vereidigten Sachverständigen die Möglichkeit zu eröffnen, unter sachkundiger Begleitung eines Fachmanns der WSW, die Brücken der Schwebebahn zu prüfen. Wir sind davon überzeugt, daß die Erstellung eines Gutachtens durch neutrale vereidigte Sachverständige auch im Sinne der Bürger dieser Stadt ist. Da im Frühjahr 1998 mit dem Neubau begonnen werden soll, möchten wir Sie bitten, uns die Zusage bis zum 3. November dieses Jahres zukommen zu lassen. Die Begutachtung soll noch im November 1997 erfolgen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Burkhard Stieglitz