logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 22.05.1997

An die

Redaktion der

Wuppertaler Rundschau

Wuppertal

 

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Seit einigen Monaten berichtet die Wuppertaler Rundschau sporadisch über die bevorstehende Zerstörung des herausragendsten Baudenkmal unserer Stadt: die Wuppertaler Schwebebahn. Ich bin etwas überrascht, daß Sie zu diesem wichtigen Thema noch nicht den Standpunkt unserer Bürgerinitiative eingeholt haben. Die Diskussion wird ja mit dem zu erwartenden Ratsbeschluß am 26. Mai dieses Jahres noch nicht beendet sein. Wir haben aufgrund unserer Informationen eher den Eindruck, daß sich die Diskussion in den kommenden Monaten noch intensivieren und über Wuppertal hinaus Wellen schlagen wird. Wir übergeben Ihnen schon jetzt eine Reihe von Dokumenten, die in dieser Frage von unserer Bürgerinitiative erarbeitet wurden. Wir legen Ihrer Zeitung als Geschenk und Informationsquelle für Ihr Archiv das Buch der Wuppertaler Stadtwerke AG aus dem Jahre 1991 bei: "Die Wuppertaler Schwebebahn - Geschichte - Technik - Kultur" und die Publikation des Landeskonservators Rheinland "Die Schwebebahn in Wuppertal" von 1976 bei. Aus beiden Dokumenten geht hervor, daß die Schwebebahn nicht nur ein einzigartiges Baudenkmal von Weltrang ist, sondern von den Stadtwerken noch vor 6 Jahren als zukunftsträchtiges und sicheres Verkehrsmittel präsentiert wurde.

Ihre Zeitung hat gegenüber Ihrer Leserschaft keine geringe Verantwortung, da sie aufgrund der flächendeckenden Verteilung potentiell jeden Haushalt in Wuppertal erreicht. Wir können als Bürgerinitiative zur Zeit noch nicht die gesamte Bürgerschaft über den vollendeten Betrug durch die Stadtwerke informieren, da uns zur Zeit noch nicht die Möglichkeit gegeben ist, uns in Massenauflagen mit der Wahrheit an die Bürgerschaft zu wenden.

Bis jetzt sahen wir unsere Aufgabe im Recherchieren der Fakten. Nun sehen wir unsere Aufgabe darin, die maßgeblichen Institutionen, Publikationsorgane und Persönlichkeiten in vollem Umfang über dieses sinnlose Zerstörungswerk zu informieren. Anhand der beiliegenden Materialien, die wir in den kommenden Wochen noch ergänzen werden, können Sie bereits heute abschätzen, welch schwerer finanzieller und ideeller Schaden der Stadt und dem Lande NRW entsteht. Die Position, das Gerüst sei marode und müsse in jedem Falle ausgetauscht werden, läßt sich nach diesen Informationen nicht mehr halten. Aber nicht nur die Redakteure und verantwortlichen Politiker, sondern auch die Bürger dieser Stadt haben ein Anrecht auf sachgerechte Information. Bis heute konnten wir davon ausgehen, daß Sie von den Stadtwerken genauso getäuscht wurden wie die Bürger im Tal. Jetzt besitzt auch die Redaktion der Wuppertaler Rundschau alle bis heute unterdrückten Fakten zum Schwebebahnabriß und -neubau. Wir hoffen, daß Sie diese Informationen in der Bedeutung ihrer Tragweite an Ihre Leser weitergeben werden.

Keine Redaktion wird nach diesem Sachstand vor ihrer Leserschaft noch ernsthaft die Position vertreten können, der Abriß des Gerüstes sei unumstritten oder gar verkehrspolitisch oder wirtschaftlich erforderlich. Die Diskussion um das Gerüst ist damit erst eröffnet.

Wir verfolgen auch weiterhin die Auswahl Ihrer Leserbriefe und die Tendenz ihrer Kommentare sorgfältig und mit größtem Interesse. Eine Dokumentation der Medienberichterstattung zu diesem Thema verspricht schon jetzt recht interessant zu werden. Wir möchten vorsorglich nochmals betonen, daß unsere Bürgerinitiative keinerlei parteipolitische Interessen verfolgt. Uns geht es um den Erhalt der Schwebebahn und das Wohl der Stadt. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative ebenso wie die meisten unserer Mitglieder gehören keiner Partei an.

Unser Informations-Paket wird sicher noch ausreichend Material bieten, diesem Thema weitere Seiten zu widmen. Erst jetzt wird ja langsam Umfang und Perspektive des Schwebebahnskandals in den Umrissen sichtbar. Die Verästelungen dieser einzigartigen Untat in die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche dieser Stadt wird weitere Nachfragen zu Projekten wie dem Hotelbau zwischen Stadthalle und Schwimmoper, den "Abgasbunker" am Döppersberg, dem Verfall kommunaler Bausubstanz u.a.m. nach sich ziehen. Das Erwachen der Stadt über den Abriß der Schwebebahn weckt das Interesse für so manches Projekt, was sonst sicher im Dunkeln "verschoben" worden wäre.

Unsere Bürgerinitiative hatte sich nicht zum Ziel gesetzt, die Schwebebahn unter Denkmalschutz zu stellen. Uns war seit Januar dieses Jahres die Strategie der Stadt bekannt, die Schwebebahn trotz ihrer Unterschutzstellung abzureißen. Die Methode lautete: möglichst viele Aufträge zu vergeben, so daß man die daraus folgenden Regreß-Ansprüche als Argument für den Abriß ins Feld führen konnte. Die verkehrspolitischen und technischen Sachargumente hätten dafür nicht ausgereicht. "Eine beliebter Trick!" kommentierte dies ein Mitarbeiter des Landeskonservators Westfalen. Für uns ist mit dem Ratsbeschluß der Fall aber noch lange nicht abgeschlossen. Mit der Unterschutzstellung und dem Abrißbeschluß wird unsere öffentliche Arbeit erst in vollem Umfang aufgenommen werden.

Wir stehen zu einem Gespräch mit Ihrer Redaktion gern zur Verfügung.

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Burkhard Stieglitz