logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 15.05.1997

An den

stellvertretenden Vorsitzenden

des Petitionsauschusses des Landtages

Herrn Horst Steinkühler

Platz des Landtages 1

40221 Düsseldorf

 

Sehr geehrter Herr Steinkühler!

In Wuppertal beabsichtigt am 26. Mai dieses Jahres der Rat der Stadt die Wuppertaler Schwebebahn unter Denkmalschutz zu stellen. Gleichzeitig soll der Beschluß gefaßt werden, daß alle bereits vergebenen Aufträge auch ausgeführt werden dürfen. Dies würde bedeuten, daß das Gerüst und sämtliche daran hängenden Bahnhöfe, also praktisch die gesamte historische Bahn vernichtet werden und anschließend mit seelenlosen Glaskästen neu gebaut werden sollen. Wir wollen an dieser Stelle noch nicht das Problem im Einzelnen darlegen sondern uns an den Petitionsausschuß mit folgender Bitte wenden:

  1. Könnten Sie dafür eintreten, daß die Stadtwerke Wuppertal oder die Stadt selbst uns die beiliegende Liste von 134 Fragen beantwortet, die wir am 24. März an den Rat der Stadt richteten? (Die Fragen auf S. 12/13 Nr. 1-12 wurden uns beantwortet, die zum Projekt "Schwebebahn" selbst jedoch nicht.)

Wir beabsichtigen in dem Augenblick, wo der Rat die Schwebebahn am 26.Mai unter Denkmalschutz stellen wird ein Bürgerbegehren vorzubereiten. Ziel des Bürgerbegehrens ist eine Planumstellung: Statt Abriß und Neubau für eine Milliarde DM wollen wir Erneuerung des Korrosionsschutzes am Gerüst und eine Generalsanierung der gesamten Bahn. Eine Sanierung würde höchsten 200 Millionen DM kosten.

Beim Neubau der Schwebebahn handelt es sich um das größte kommunale Projekt im Wuppertal seit 100 Jahren. Ein solches Projekt bedarf der sorgfältigsten Begründung und größtmöglichen Transparenz. Als Bürger dieser Stadt erhalten wir zum Projekt Schwebebahn keine oder direkt falsche Auskünfte. Aussagen, die vor drei Monaten noch gemacht

wurden, werden heute annulliert. Vor Monaten hieß es noch vom Vorsitzenden der Wup

pertaler Stadtwerke AG, Herrn Prof. Dr. Zemlin, die neue Fahrzeuggeneration werde breiter, länger und schneller, die Bahntrasse werde um einen Meter verbreitert, man werde im 90 Sekunden-Takt fahren. Am Mittwoch, dem 14. 5. 97 hören wir vom "Chef der Schwebebahn" in einem Vortrag in den Räumen der Stadtwerke: Die Bahnen werden weder länger noch breiter, von einer Spurerweiterung sei nie die Rede gewesen, den 90-Sekunden-Takt werde man nur fahren, wenn auch tatsächlich die erwartete Fahrgastzahlsteigerung im nächsten Jahrtausend erfolgen sollte. Man plane ja für die nächsten hundert Jahre. Da man noch nicht im 90-Sekunden-Takt fahren werde, würden auch nicht so viele Schwebebahnzüge angeschafft werden. Auch die Vergrößerung der Wagenhalle in Oberbarmen werde nur vorsorglich hinsichtlich einer enormen Fahrgastzahlsteigerung erfolgen. Wir bestehen heute um so mehr auf eine Beantwortung der 134 Fragen, weil wir endlich schwarz auf weiß wissen möchten was auf uns zukommt. Die 134 Fragen müßten eigentlich von den Projektleitern aus dem Stehgreif beantwortet werden können. Auf die Beantwortung von Frage 51 verzichten wir, weil sie eine Person betrifft. Alle übrigen Fragen sind von öffentlichem Interesse.

Ein ähnliches Verwirrspiel gibt es um die Gutachten zum heutigen Zustand des Gerüstes. Noch vor 6 Jahren wurde die Bahn als zukunftsträchtiges Verkehrsmittel in einem Buch der Stadtwerke selbst beschrieben. Wir legen es dem Vorsitzenden und den Obmännern des Petitionsausschusses bei:

"Die Wuppertaler Schwebebahn - Geschichte, Technik , Kultur" Wuppertal 1991, 248 S.

Außerdem legen wir bei das Gutachten des Landeskonservators, in dem die Schwebebahn als einzigartiges Monument des gegliederten Stahlkonstruktionsbaus des 19. Jahrhundert beschrieben wird:

Hans-Fried Schierk, Norbert Schmidt "Die Schwebebahn in Wuppertal" Arbeitsheft Nr. 19, Köln 1976, Hrsg. Landeskonservator Rheinland

Aus beiden Büchern läßt sich entnehmen, daß die Schwebebahn nicht nur ein einzigartiges Denkmal sondern auch ein funktionierendes Verkehrsmittel mit Zukunft ist. Wenn das heute alles nicht mehr gelten soll, dann kann dies nur mit wissenschaftlichen Gutachten zum Zustand des Stahls, des Lacks und der Statik des heutigen Gerüstes begründet werden. Zunächst hieß es, das Gerüst sei furchtbar marode, und die Bahn bewege sich am Rande der Sicherheit. Dazu gebe es wissenschaftliche Gutachten. Zunächst erhielten wir eine Kurzfassung eines Gutachtens der Firma Thyssen-Engeneering. Alle Gutachten seien bei den Behörden erklärte Günter Beyen auf unsere Frage am 14. 5. 97. Bei der Unteren Denkmalbehörde waren sie aber nicht aufzufinden, obwohl uns der zuständige Beamte, Herr Haltaufderheide versicherte, die Gutachten seien einmal da gewesen, was sich aus dem Schriftverkehr ersehen ließe. Bei der Unteren Denkmalbehörde war nur ein Gutachten zur Statik des Bahnhofs Werther Brücke.

Bitte veranlassen Sie, daß uns vom Oberbürgermeister der Stadt oder den Stadtwerken oder von wem auch immer die Gutachten zum Gerüst in Kopie zugeschickt werden. Wenn das Gerüst so marode sein sollte, wie immer behauptet, erübrigt es sich für uns einen alternativen Kostenanschlag zum Korrosionsschutz einzuholen. Wir bezweifeln aber mittlerweile, ob die Gutachter das Gerüst überhaupt "marode geschrieben" haben, wir zweifeln ob die Gutachten überhaupt wissenschaftlichem Standard entsprechen Wir bezweifeln mittlerweile sogar, daß es wissenschaftliche Gutachten zum gegenwärtigen Zustand des historischen Gerüstes überhaupt gibt. Wir bezweifeln deshalb noch mehr, ob überhaupt das Gerüst abgerissen und neu gebaut werden muß.

  1. Wir bitten den Petitionsausschuß, uns folgende Dokumente von der Stadt Wuppertal anzufordern:

Über unsere Einwände gegen das gesamte Projekt eines Neubaus können Sie sich aus beiliegenden Unterlagen kundig machen:

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Burkhard Stieglitz

Vorsitzender der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn!" e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlagen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An den Petitionsausschuß des Landtages

beiliegend finden Sie die "Kurzfassung" eines angeblich vorliegenden umfangreicheren Gutachtens der Firma Thyssen-Engeneering

 

 

 

 

Sehr geehrte Frau Wischermann,

sehr geehrter Herr Steinkühler,

sehr geehrter Herr Martsch,

sehr geehrte Mitglieder des Petitionsausschusses!

Diese armselige Studie ist bislang das einzige Gutachten, das wir als Begründung für den Abriß des Gerüstes haben ausfindig machen können. Das Gutachten stammt noch dazu von einer am Ausschreibungsverfahren beteiligten Firma! Thyssen war an der Vergabe der Stahlkonstruktion interessiert und hat naturgemäß das Konkurrenz-Projekt (Korrosionsschutz für das alte Gerüst) ad absurdum geführt. Darauf beruht also ein Milliarden-Objekt und die Zerstörung eines einzigartigen Bauwerkes, des Wahrzeichens unserer Stadt!

 

Gez. Burkhard Stieglitz