logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal,

12.05.1997

 

An die

Vorsitzende des Petitionsausschusses des

Deutschen Bundestages

Frau Christa Nickels

53113 Bonn

Betrifft: Abriß und Neubau der Wuppertaler Schwebebahn

 

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Nickels!

Die Wuppertaler Schwebebahn, geplant und gebaut in den Jahren 1887-1900, ist ein herausragende Stahlkonstruktion des vergangenen Jahrhunderts und damit ein einzigartiges Baudenkmal der Verkehrstechnik des vergangenen Jahrhunderts. Darüber besteht bei Fachleuten kein Zweifel, wie Sie beiliegender Dokumentation des Landeskonservators von NRW aus dem Jahre 1976 entnehmen können. Noch 1991 waren die Wuppertaler Stadtwerke voll auf eine Renovierung der Bahn eingestellt. Insbesondere der Lack des Gerüstes war nach häufige Überstreichungen rissig geworden. Dadurch entstand an einigen Stellen des Stahlgerüstes feine Roststellen. Ebenso wie der Eiffel-Turm in Paris hätte die Schwebebahn einer Generalsanierung bedurft, die sie standhaft in die nächste Generation hätte fahren lassen. Doch plötzlich seit einem Jahr ist alles ganz anders. Landesmittel in Höhe von 450 Millionen Mark sollte es nur geben, wenn die Bahn abgerissen und mit größerer Kapazität wieder aufgebaut werden würde. Statt Renovierung stand nun plötzlich ein "Ausbau" an.

Wir haben Ihnen eine Fülle von Informationsmaterial beigelegt, daß wir den Mitgliedern des Stadtrates, der Landesregierung hatten zukommen lassen. Doch die Verantwortlichen für den Abriß lassen sich auf keine rationale Diskussion ein. Die riesigen plötzlich zur Verfügung stehenden Geldmittel haben jedes Argument erstickt, daß der Abriß und Neubau der Bahn völlig überflüssig ist und die Bahn durch eine Generalsanierung für die kommenden 70 Jahre wieder fit gemacht werden könnte. Nicht nur die Stadt Wuppertal steht vor der Zerstörung ihres einzigen Baudenkmals von Rang, auch für die Kulturgeschichte der Menschheit ist der Abriß der historischen Bahn ein unersetzlicher Verlust. Es gibt nur noch eine Möglichkeit die Bahn vor der sinnlosen Zerstörung zu retten und das ist ein internationale Debatte über den Abriß des weltweit beliebten und bekannten Verkehrsmittels. Wie uns von der UNESCO-Kommission Deutschlands in Bonn inoffiziell bereits mitgeteilt, hätte die Wuppertaler Schwebebahn gute Aussichten in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen zu werden. Kirchen, Tempel, Klöster und Schlösser hat man genug. Aber Stahlbauten dieser Größenordnung aus dem vergangenen Jahrhundert sind äußerst selten geworden.

Die Stadtwerke und die in das Projekt verstrickten Politiker machen in der Öffentlichkeit und über die ihnen geneigten örtlichen Medien Stimmung gegen die historische Bahn indem sie wahrheitswidrig davon sprechen, die Bahn müsse sonst stillgelegt werden und könne dann nur noch als Museumsbahn besichtigt werden. Die Stammtisch-Parole von der "Museumsbahn" wird sogar vom Ministerpräsidenten des Landes übernommen. Man zielt dabei auf billige Ressentiments gegen Museen beim "kleinen Mann" ab, der in Museen nur Nutzlosigkeiten entdecken kann. Dabei verschweigen die für den Abriß und Neubau verantwortlichen Wuppertaler Stadtwerke, daß sie noch im Jahre 1991 die Bahn in einem von ihnen herausgegebenen Buch "Die Wuppertaler Schwebebahn - Technik - Geschichte - Kultur" als modernes und zukunftstrachtiges Verkehrsmittel gepriesen haben. In dem beiliegendem Brief an den Rat der Stadt vom 24. März 1997 wird ausführlich aus diesem Buch zitiert.

Die zentrale Aussage beruht darin, daß in der Mitte der 70er Jahre eine neue Fahrzeuggeneration von Gelenkzugbahnen zum Einsatz kam. Diese konnten schneller beschleunigen und bremsen und statt der vorher möglichen 130 nunmehr 205 Fahrgäste pro Zug befördern. Dies bedeutete gegenüber früher eine Kapazitätserweiterung von über 50 %. Da die Stadtwerke im 2 Minuten-Takt fahren wollten und die gesamte Bahn renoviert werden sollte, unterzog man den Stahl und das Gerüst einer statischen Prüfung. Diese verlief zur vollsten Zufriedenheit. In den Jahren 1979 - 1984 wurde die Statik des Gerüstes verstärkt durch Einbau neuer Brückenköpfe. Alle historischen Bahnhöfe wurden renoviert. Zuletzt die Wagenhalle Oberbarmen in reinem Jugendstil. Bitte beachten Sie die Expertise von Frau Prof. Stein....

Nun auf einmal soll in aller Hektik der Abriß beginnen. Dabei führt die Stadt ein Verwirrspiel über die Unterschutzstellung der Bahn durch. Am 3. Februar 1997 beschloß der Rat der Stadt, die Bahn so zu behandeln, als stünde formal bereits unter Denkmalschutz. Dabei mußte man zu diesem Zeitpunkt der Unteren Denkmalschutzbehörde nur erlauben, daß Datum hinter die bereits erfolgte Eintragung in die Denkmaschutzliste zu schreiben und den Stadtwerken den bereits vorbereiteten Brief zur Unterschutzstellung der Bahn zuzusenden. (siehe Anlage) Stattdessen vertagte man den Beschluß die Bahn unter Denkmalschutz zu stellen auf den 26. Mai 1997. Bis dahin sollen alle wichtigen Aufträge zum Neubau der Bahn vergeben sein. Um die selbstverschuldeten Regreßkosten zu "sparen" soll dann am Tage der Unterschutzstellung die Genehmigung zur Ausführung aller bereits erteilten Aufträge erfolgen. Im Klartext: die Bahn steht unter Denkmalschutz und wird doch vollständig abgerissen und neugebaut. Es bleiben nur noch die Bahnhöfe Alter Markt, Döppersberg und Ohligsmühle stehen - drei Bahnhöfe die aus den Jahren 1968, 1925 und 1982 stammen. Die historische Substanz soll vollständig vernichtet und allenfalls hier und da nachgebaut werden. Damit wäre historische Bahn und ihre Atmosphäre für immer zerstört. In die Liste des Welterbes der Menschheit kann die Schwebebahn aber nur aufgenommen werden, wenn sie in ihrer Originalsubstanz bestehen bleibt und von der Bundesrepublik Deutschland bei der UNESCO ihre Eintragung beantragt wird.

Uns empört an dem bevorstehenden Akt vor allem wie die Bürger über den Tisch gezogen werden durch übereilte Auftragsvergabe. Wie die Öffentlichkeit unter Machmißbrauch des örtlichen Medienmonopols eine betrügerische Desinformationskampagne die Menschen manipuliert werden. Alle Argumente denkmalpflegerische, betriebswirtschaftlicher, verkehrspolitischer Art sprechen für eine Generalsanierung der Bahn und gegen einen Abriß mit Neubau.

Bitte leiten Sie auf Bundesebene eine Diskussion über das Welterbe Schwebebahn ein in dem Sie den Petitionsausschuß den Antrag auf UNESCO-Schutz unterbreiten. Die Bahn muß vor den örtlichen Vandalen geschützt werden, die nur das Geld aus der Landeskasse und nicht die Verantwortung vor kommenden Generationen sehen.

Es muß allerdings jetzt schnell gehandelt werden, da die Stadtwerke ebenfalls merken, daß sie langsam über den lokalen Tellerrand hinweg unter internationalen Druck geraten. Am liebsten würde man die Bahn in einer Nacht und Nebelaktion verschreddern. Aber das geht nunmal nicht. Die Abrißarbeiten werden jeweils an Wochenenden und in Nachtschichten durchgezogen, so daß die Bahn am Montagmorgen wieder einsatzbereit ist.

In Deutschland ist man immer empört wenn in den Mittelmeerländern ein Kulturdenkmal verfällt. Dort kostet die Renovierung sehr viel Geld, mehr als ein Abriß und beliebiger moderner Neubau kosten würde. Bei der Schwebebahn ist es glücklicherweise so, daß Denkmalschutz für sie für den Steuerzahler wesentlich billiger käme. Wir wollen unsere Argumente hier nicht wiederholen. Sie finden Sie ausführliche Begründung unserer Position in beiliegenden Dokumenten.

 

 

 

 

 

Über ein Gespräch mit Ihnen und weiteren Ausschußmitgliedern würden wir uns freuen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Burkhard Stieglitz

Vorsitzender der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn!" e.V.

 

Anlagen: