logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal

Tel. Fax. 0202- 550998

Wuppertal, 29.4.1997

 

An die

Ministerin für Stadtentwicklung, Kultur und Sport
Frau Ilse Brusis
Breitestr. 31
40213 Düsseldorf

EINSCHREIBEN/RÜCKSCHEIN

 

 

Sehr verehrte Frau Ministerin Brusis!

Hiermit teilt Ihnen die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. mit, daß seit Januar dieses Jahres die Schwebebahn als Gesamtanlage unter der Nummer 4035 in die Denkmalschutzliste der Stadt Wuppertal eingetragen wurde. Wir empfinden es als empörend, daß dies den Unterschriften sammelnden Bürgerinitiativen und der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt wurde!

Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß diese Eintragung juristisch fehlerhaft ist und gegen eindeutige Vorschriften verstößt, da die Untere Denkmalbehörde in Wuppertal es unterlassen hat, das Datum der Eintragung schriftlich hinter dem Eintrag zu vermerken. Die Karteikarte der "Gesamtanlage Schwebebahn" trägt die Nummer 4035. Wir machen des Weiteren darauf aufmerksam, daß die Talsperre Ronsdorf schon vor über einem Jahr eingetragen wurde und ebenfalls keinen Datumsvermerk trägt. Herr Sadowski, von der Unteren Denkmalbehörde in Wuppertal teilte uns mit, daß der Eigentümer der Talsperre Ronsdorf bereits über das Datum der Eintragung informiert worden sein. Ob ähnliches in Bezug auf die Schwebebahn geschehen ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Wir fordern daher Sie, sehr verehrte Frau Ministerin Brusis, auf, unverzüglich die Wuppertaler Stadtwerke AG auf den Tatbestand der erfolgten Eintragung der Schwebebahn in die Denkmalliste aufmerksam zu machen. Denn es ist nicht nur gesetzlich der Datumsvermerk vorgeschrieben, sondern auch die Information des Eigentümers über den Tag der Eintragung. Bis jetzt kann nur gesagt werden, daß der Eintrag zwischen dem 20. und 31. Januar erfolgt sein muß. Spätestens seit Ende Januar muß die Bahn also wie ein Denkmal behandelt werden. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Auftragserteilung für den Neubau des Gerüstes seitens der Stadtwerke bereits unrechtmäßig war, sofern er denn erfolgte. Wir fordern Sie auf, alle Unternehmen, die bereits einen Auftrag erhalten haben, darüber zu informieren, daß sie keine weiteren Maßnahmen für den Neubau der Bahn vornehmen, da nicht geklärt ist, ob das Gerüst überhaupt unter dem Aspekt des Denkmalschutzes abgerissen werden darf. Es liegt jetzt in Ihrer Hand die Stadt vor möglichen Regreßforderungen zu schützen. Die Unterschutzstellung am 26. Mai 1997 ist daher überflüssig. Bitte stellen Sie fest, wer den Eintrag in die Denkmalliste veranlaßt hat, und verpflichten Sie die Untere Denkmalbehörde darauf, dann auch tatsächlich im Falle der Unterschutzstellung der Schwebebahn die rechtlichen Vorschriften einzuhalten. Dies war unser erstes Anliegen.

Zum Zweiten teile ich Ihnen mit, daß die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e. V. ein Bürgerbegehren vorbereitet, daß eine Planumstellung herbeiführen soll. Denn wie wir erfahren haben, soll der Denkmalschutz keinerlei rechtliche Auswirkung darauf haben, daß die Bahn schlußendlich doch abgerissen wird. Wir wollen, daß die Schwebebahn renoviert und nicht restauriert wird. Diue Bauliche Substanz der Bahnhöfe ist als gut zu bezeichnen, da erst in den 80er Jahren alle Bahnhöfe renoviert wurden. Die finanziellen, verkehrspolitischen, technischen und denkmalpflegerischen Aspekte, die uns veranlassen gegen den Abriß der Bahn Einspruch einzulegen, haben wir in zwei Schreiben an den Rat der Stadt mitgeteilt. Die Stadt ist unseres Wissens nach der Eigentümer des Grundstückes, auf dem die Schwebebahn steht und damit mitverantwortlich für einen rechtswidrigen Neubau der Bahn. Beide Schreiben an den Rat der Stadt - das vom 3. Februar 1997 und vom 24 März 1997 - legen wir diesem Brief bei.

Eine Renovierung der Bahn ist natürlich nur dann möglich, wenn wir wissen, ob das Gerüst auch statisch den heutigen Anforderungen des Verkehrs gewachsen ist. Wir benötigen für den von uns geforderten alternativen Kostenanschlag auch eine sachkundige Beschreibung der Schäden und der Statik des Gerüstes.

Ein solches Gutachten von einem Professor Dr. Seglacek (Aachen) soll Ihnen - laut Auskunft Ihrer Behörde - seitens der Stadtwerke zugekommen sein. Wir bitten Sie hiermit uns die Gutachten zum Zustand der Lackschicht, des Stahls und der Statik des Gerüstes zukommen zu lassen, da wir sonst keinen Kostenanschlag einholen können.

Einige Fragen zum Schluß, die zu beantworten wir Sie bitten möchten:

Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß wir als Bürgerinitiative unter einem gesetzlichem Zeitdruck stehen, da wir in einem bestimmten Zeitrahmen nach dem aufzuhebenden Ratsbeschluß die Unterschriftensammlung im Wahlamt der Stadt vorlegen müssen. Dennoch wurde uns bis heute nicht eine einzige Antwort auf unsere beiliegenden 146 Fragen vom 24.März 1997 an den Rat der Stadt und die Stadtwerke erteilt. Wir haben deshalb langsam den Verdacht, daß man die Fragen nicht beantwortet, um weiter das ganze Projekt bei vollständiger Desinformation der Bürger vorantreiben zu können. Müssen die Gutachten die die Stadtwerke zum Gerüst vorlegen, das Licht der Öffentlichkeit scheuen? Wenn man ein redliches Gutachten hat, hat man doch das beste Argument für den Neubau in der Hand. Warum macht man daraus seitens des Stadtrates und der Stadtwerke ein derartiges Geheimnis?

Möglicherweise liegt dies an dem schlechten Gewissen der WSW, weil sie 1991 selbst für eine Renovierung der Bahn eintraten. Wir legen Ihnen das Buch "Die Wuppertaler Schwebebahn" von 1991 bei. Wer unser Anschreiben an den Rat der Stadt und unsere Anfrage vom 3. Februar und vom 24. März dieses Jahres gelesen hat, wird in diesem Buch die entsprechenden Beweise dafür finden, daß der Abriß und Neubau der Bahn ein vollkommener verkehrspolitischer, finanzieller und technischer Unsinn ist. Im Augenblick können wir nur die Verantwortlichen über die Lügen der Wuppertaler Stadtwerke aufklären. Die breite Öffentlichkeit ist bis heute noch fest der Auffassung, die Bahn werde renoviert. Sie ist daher erst für unsere Argumente aufgeschlossen, wenn sich der vollständige Abriß Wochenende für Wochenende vor ihren Augen vollzieht. Wir haben Sie ausführlich über den Schwebebahnschwindel informiert. Sie haben mit diesem Buch die Möglichkeit alle unsere Aussagen Punkt für Punkt zu verifizieren.

Verzeihen Sie uns, daß wir so massiv werden müssen, aber die völlige Ignorierung unserer Ausarbeitungen, Hinweise und Fragen seitens der Politik zwingt uns dazu eine klare, unmißverständliche Sprache zu sprechen: Noch liegt die Schuld für einen geplanten Abriß ausschließlich bei den Stadtwerken und möglicherweise bei der Unteren Denkmalbehörde in Wuppertal. Die Stadtwerke tragen Schuld für ihre Desinformationen über den Zustand der Bahn und die Untere Denkmalbehörde trägt Schuld, weil sie bis heute die Eintragung der "Gesamtanlage Schwebebahn" mit der Nummer 4035 ohne Datum in der Denkmalschutzliste eingetragen hat. Soweit uns bekannt, beaufsichtigen Sie die Untere Denkmalbehörde. Frodern Sie die Untere Denkmalbehörde unverzüglich auf, das Datum der Eintragung in die Denkmalliste nachzutragen. Sollte die Politik, trotz umfassender und für uns recht kostspieliger Informationen weiter hinter der Stadtwerke-Planung stehen, werden Sie die Verantwortung in vollem Umfang mitzutragen haben.

Wir sehen Ihrer baldigen Antwort mit großem Interesse entgegen und bedanken uns für Ihre Mühe!

Da wir von den Stadtwerken und dem Rat der Stadt bis heute keine Antwort auf unsere Fragen erhalten haben, bitten wir Sie die Stadt Wuppertal aufzufordern unsere Fragen umgehend zu beantworten.

 

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

Burkhard Stieglitz

Vorsitzender der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn!" e.V.