logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ
Vorsitzender der Bürgerinitiative
"Rettet die Schwebebahn!" e.V.
Krautsberg 5
42275 Wuppertal
Tel. 0202- 550998 Fax 558494
Wuppertal, 27.05.1997

An den Herrn

Oberbürgermeister der

Stadt Wuppertal

und Vorsitzenden des Aufsichtsrates der

Wuppertaler Stadtwerke AG

Dr. Hans Kremendahl

Bromberger Str. 39-41

42281 Wuppertal

 

Sehr geehrter Herr Dr. Kremendahl!

Für die Führung Ihres neuen Amtes und in dieser kommunalpolitisch so bewegten Zeit wünsche Ich Ihnen eine glückliche Hand in allen Ihren Entscheidungen.

Am Freitag, dem 25. April dieses Jahres habe ich zusammen mit Frau Raiser Einsicht genommen in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal. Wir wollen uns nunmehr im voraus kundig machen, was noch alles in dieser Stadt zerstört werden könnte, aber schützenswert ist. Dabei haben wir mit der Friedhofskirche angefangen und konnten zu unserer Zufriedenheit feststellen, daß diese 1992 endlich unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Leider mußten wir feststellen, daß der stadtbildprägende Gasometer von Oberbarmen nicht gesichert ist. Herr Sadowski teilte uns mit, der Gasometer sei erst nach dem II. Weltkrieg gebaut worden und insofern nicht schützenswert.

Ich habe im Sommer 1995 für einige Monate ein Foucault’sches Pendel im Gasometer von Oberhausen installiert und kann Ihnen versichern, daß es eine überregionale Attraktion war, die die Besucherzahlen nochmals erheblich in die Höhe schnellen ließ. Die Ausstellung "Feuer und Flamme" lief bereits im zweiten Jahr und erhielt durch das Pendel einen Besuchermagneten. Es war das längste und schwerste Foucault’sche Pendel, das jemals installiert wurde. Ich habe die 80 kg schwere Kugel hier in meiner Wohnung und mache der Stadt den Vorschlag, den Gasometer zum Ort einer dauerhaften physikalischen Ausstellung auszubauen, mit dem Foucault’schen Pendel als ständige Attraktion. Unter der Kugel befindet sich ein Laser-Pointer, der den Verlauf der Achsendrehung der Erde auf einem Kreis mit Gradeinteilung sichtbar macht. Das Pendel und die Schautafeln würde ich der Stadt kostenlos zur Verfügung stellen und auch die Aufhängung kostenlos betreuen. Ich denke, daß jeder Schüler einmal in seinem Leben das Foucault’sche Pendel gesehen haben sollte. Der Gasometer könnte eine Attraktion des Ortsteils Heckinghausen werden. Dies ein erster Vorschlag von uns im Rahmen Ihrer Vision von einer Ideenwerkstatt Wuppertal.

Beim Einblick in die Denkmalliste stellten wir fest, daß beim Eintrag "Ronsdorfer Talsperre" das Datum der Eintragung fehlt. Das ist eindeutig ein Verstoß gegen die "Verordnung über die Führung der Denkmalliste" vom 6. März 1981 und zwar gegen § 2 Abs. 4. Der Tag der Eintragung ist von höchster Wichtigkeit, denn der Eigentümer muß ja wissen, von welchem Tag an das Denkmalschutzgesetz auf sein Objekt Anwendung findet, denn "wer widerrechtlich ein Denkmal vorsätzlich oder fahrlässig beschädigt oder zerstört, ist auf Verlangen der Unteren Denkmalbehörde verpflichtet, das Zerstörte wiederherzustellen." Herr Sadowski konnte uns jedoch mitteilen, daß dem Eigentümer der Ronsdorfer Talsperre die Urkunde über die Unterschutzstellung zugestellt worden ist. Bitte lassen Sie prüfen, ob dies tatsächlich erfolgt ist.

Wir haben die Denkmalliste geprüft und stellten fest, daß sie nahezu lückenlos chronologisch ist, bis auf eine Stelle, an der es ziemlich durcheinander geht. Und hier stellten wir etwas Verblüffendes fest: Beim Eintrag der Nummer 4035 steht doch tatsächlich die Schwebebahn als Gesamtobjekt in der Denkmalliste!! Und ausgerechnet hier hat es die Untere Denkmalbehörde unterlassen, das Datum der Eintragung hinzuzufügen. Es ist kaum zu glauben: Die Untere Denkmalbehörde trägt ausgerechnet die Schwebebahn als Gesamtanlage ohne Datumsangabe ein!! Wegen der fortlaufenden Chronologie der Daten können wir Ihnen mitteilen, daß die Eintragung der Schwebebahn zwischen dem 21. und 31. Januar 1997 erfolgt sein muß, also vor der Ratssitzung vom 3. Februar d.J. Möglicherweise erfolgte die Eintragung am 20. oder am 21. Januar. Denn als ich an diesem Tag in die Untere Denkmalschutzbehörde kam, schien man dort ziemlich konsterniert, als ich Einblick in die Denkmalschutzliste Einblick nehmen wollte. Dies sei momentan nicht möglich, teilte mir Herr Haltaufderheide mit. Er wisse selbst nicht, was zur Zeit mit der Schwebebahn los sei, aber er habe eine Direktive erhalten, wonach zur Zeit das Buch nicht zur Einsicht gegeben werden könne. Zur Schwebebahn gebe es neuerdings Sonderregelungen. Man könne sich selbst noch keinen Reim daraus machen. Es sei seltsam was hier los sei. Schließlich räumte man aber doch ein, daß man mir einzelne Karteikarten aus der Liste aushändigen könne. So erhielt ich die Karteikarten zur Schwebebahnstation Werther Brücke. Noch während der Unterhaltung wurde Herr Haltaufderheide zu einer Dienstbesprechung abberufen: schon wieder Schwebebahn, hieß es mit einem Seufzer. Das Buch mit der Auflistung der Denkmäler wurde mir allerdings nicht ausgehändigt. So kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob zu diesem Zeitpunkt die Eintragung bereits erfolgt war, oder gerade erfolgen sollte.

Seit Mitte der Siebziger Jahre steht die Schwebebahn nunmehr in allen möglichen offiziellen Denkmallisten. In der Liste des Landeskonservators, in der Liste der Unteren Denkmalbehörde vom 30. März 1980, dann in der Liste der denkmalgeschützten Objekte der Stadt Wuppertal aus dem Jahre 1985. Und noch immer gibt es keine rechtliche Sicherheit vor der vollständigen Zerstörung. Da Sie als Vorsitzender des Aufsichtsrates der WSW spätesten seit Ankunft dieses Briefes in der Bromberger Straße und im Rathaus von der Eintragung wissen, ist Ihnen auch klar, daß auch eine teilweise Zerstörung der Bahn eine Wiederherstellung erforderlich machen würde. Damit droht schwerster Schaden für die Stadtwerke. Die Denkmalschutzauflagen für die Bürger sind hart, aber sie gelten eben auch für die Stadt und ihre Werke.

Im Namen der Bürgerinitiative bitte ich Sie hiermit, uns das Gutachten von Professor Dr. Ing. Gerhard Sedlacek sowie alle sonstigen Gutachten zum Stahl, zur Statik und zum Lack des Gerüstes in einer Kopie zuzusenden. Ohne diese Gutachten können wir keinen Kostenanschlag einholen, der für unser geplantes Bürgerbegehren notwendig ist. Wenn der Rat die Bahn am 26. Mai 1997 unter Denkmalschutz stellen sollte, wird die Frage zu erörtern sein, ob eine Renovierung möglich ist, die dem Steuerzahler 800 Mio DM ersparen würde.

Alle unsere Bemühungen haben den gleichen Zweck, der auch in Ihrer Rede vom 3. Februar 1997 vor dem Rat der Stadt umrissen wurde: "Erhalt der Schwebebahn so originalgetreu wie möglich, aber ausdrücklich auch Ausbau so zukunftsorientiert wie nötig." Es ist uns unverständlich, warum nicht schon auf der Ratssitzung am 3. Februar 1997 bekanntgegeben wurde, daß die Bahn bereits in der Denkmalliste steht. Der Rat der Stadt hätte das Datum eintragen lassen müssen, da die Karteikarte 4035 nur noch auf diese Vervollständigung wartete. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Untere Denkmalbehörde den Eintrag soweit vorbereitet hatte, daß nach Beschluß des Stadtrates nur noch dieses Datum einzutragen war, um die Stadtwerke auf den Schutz der Bahn verpflichten zu können. Es ist unfaßbar, warum all das hier verschleppt wurde.

Bis heute haben die Stadtwerke noch nicht auf die 134 Fragen zum Schwebebahnausbau reagiert, obwohl Sie die Fragen weitergeleitet hatten. Wir möchten Sie, sehr geehrter Herr Dr. Kremendahl, nunmehr in Ihrer neuen Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzenden der WSW AG bitten, sich für die Beantwortung aller Fragen einzusetzen.

Ein Letztes nochmals mit allem Nachdruck: Wir benötigen umgehend die Gutachten zum Zustand des Gerüstes. Veranlassen Sie bitte, daß uns diese in einer Kopie zugesandt werden.

 

 

 

Mit bestem Dank und freundlichem Gruß

 

 

Burkhard Stieglitz

i.A. des Vorstands der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn!" e.V.